Komplikationen und Erkrankungen in der Schwangerschaft


Wenn die Schwangerschaft nicht reibungslos verläuft – was tun?

Die meisten Schwangerschaften verlaufen problemlos. Doch in einigen Fällen treten Beschwerden oder Erkrankungen auf, die einer ärztlichen Begleitung bedürfen. Eine frühe Erkennung und konsequente Behandlung sind entscheidend, um Mutter und Kind zu schützen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Schwangerschaftskomplikationen, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Übelkeit und Erbrechen (Emesis und Hyperemesis gravidarum)

Etwa 70–80 Prozent aller Schwangeren leiden im ersten Trimester unter Übelkeit, viele auch unter Erbrechen. Das ist meist harmlos und klingt um die 12.–14. SSW ab. Wenn die Symptome aber so stark werden, dass Essen und Trinken kaum möglich sind und Gewichtsverlust auftritt, spricht man von Hyperemesis gravidarum. Diese schwere Form betrifft etwa 1 Prozent der Schwangeren und kann zu Dehydratation, Elektrolytstörungen und Mangelernährung führen.

Was hilft: Kleine, häufige Mahlzeiten; trockene Kekse vor dem Aufstehen; Ingwer-Tee oder -Bonbons; Vitamin-B6-Präparate; ausreichend Flüssigkeit. Bei schwerer Hyperemesis kann eine stationäre Therapie mit Infusionen und Antiemetika nötig werden.

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Zwischen der 24. und 28. SSW wird allen Schwangeren ein Glucose-Belastungstest angeboten. Damit wird der Schwangerschaftsdiabetes erkannt, eine besondere Form des Diabetes, die meist erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftritt und nach der Geburt wieder verschwindet. Etwa 5–10 Prozent der Schwangeren sind betroffen, Tendenz steigend (besonders bei Übergewicht, familiärer Vorbelastung, höherem Lebensalter und Mehrfachschwangerschaften).

Folgen ohne Behandlung: Übermäßiges Wachstum des Kindes (Makrosomie), erhöhte Komplikationsrate bei der Geburt, Hypoglykämie des Neugeborenen, langfristig erhöhtes Diabetesrisiko für Mutter und Kind.

Behandlung: Zunächst Ernährungsumstellung und Bewegung. Wenn die Blutzuckerwerte trotzdem nicht im Zielbereich bleiben, ist eine Insulintherapie nötig (orale Antidiabetika sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen). Nach der Geburt sollte der Diabetes durch einen erneuten Belastungstest sechs Wochen postpartal überprüft werden.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Erhöhter Blutdruck (über 140/90 mmHg) kann eine ernste Komplikation sein. Man unterscheidet:

  • Chronische Hypertonie – bestand bereits vor der Schwangerschaft
  • Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) – nach der 20. SSW neu auftretend, ohne Eiweißausscheidung im Urin
  • Präeklampsie – Bluthochdruck + Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie)
  • Eklampsie – Präeklampsie + Krampfanfälle (Notfall!)
  • HELLP-Syndrom – Hämolyse, erhöhte Leberenzyme, niedrige Thrombozyten (lebensbedrohlich!)

Warnzeichen, die sofort zum Arzt führen sollten: Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen (Augenflimmern, verschwommenes Sehen), Schmerzen im rechten Oberbauch, plötzliche Schwellungen an Händen, Füßen oder im Gesicht, schnelle Gewichtszunahme.

Therapie: Bettruhe, Blutdruckmedikamente (z. B. Methyldopa, Nifedipin), engmaschige Kontrollen. Bei schwerer Präeklampsie oder Eklampsie ist eine vorzeitige Entbindung lebensrettend.

Blutungen in der Schwangerschaft

Jede Blutung muss ärztlich abgeklärt werden. Mögliche Ursachen sind:

  • Frühschwangerschaft: Einnistungsblutung (harmlos), Fehlgeburt drohend/komplett, Eileiterschwangerschaft (Notfall!), Blasenmole
  • Spätschwangerschaft: Placenta praevia (tiefliegender Mutterkuchen), vorzeitige Plazentalösung (Notfall!), drohende Frühgeburt mit Blutung, Insertio velamentosa

Drohende Frühgeburt

Eine Frühgeburt liegt vor, wenn das Kind vor der vollendeten 37. SSW geboren wird. Anzeichen für eine drohende Frühgeburt sind: regelmäßige Kontraktionen vor der Zeit, Verkürzung des Gebärmutterhalses (Cervix-Insuffizienz), vorzeitiger Blasensprung, vaginale Blutung. Risikofaktoren sind Mehrlingsschwangerschaften, vorangegangene Frühgeburten, Infektionen, Stress und Rauchen.

Behandlung: Bettruhe, Magnesium oder Beta-2-Sympathomimetika (Wehenhemmer), bei drohender Geburt vor 34. SSW Glukokortikoide zur Lungenreifung des Kindes. In sehr frühen Wochen (< 28 SSW) Verlegung in ein Perinatalzentrum.

Schwangerschaftsbeschwerden (häufig, meist harmlos)

Auch bei normalem Verlauf können verschiedene Beschwerden auftreten, die zwar belastend, aber meist harmlos sind:

  • Sodbrennen – Hormonelle Erschlaffung des Speiseröhrenmuskels + Druck der Gebärmutter auf den Magen. Hilfe: Kleine Mahlzeiten, nicht direkt nach dem Essen hinlegen, ggf. säurebindende Medikamente (in der Schwangerschaft erlaubt sind z. B. Antazida wie Hydrotalcit).
  • Verstopfung – Durch Progesteron-bedingte Darmträgheit. Hilfe: Ballaststoffreiche Ernährung, viel trinken, Bewegung, ggf. Lactulose oder Macrogol.
  • Hämorrhoiden – Durch Druck im Becken. Hilfe: Sitzbäder, hämorrhoidenspezifische Salben, weicher Stuhlgang.
  • Krampfadern und Wassereinlagerungen – Hilfe: Hochlagern der Beine, Kompressionsstrümpfe, Schwimmen, kalte Beinduschen.
  • Rückenschmerzen – Hilfe: Schwangerschaftsyoga, Schwimmen, Physiotherapie, gute Schuhe, ggf. Schwangerschaftsbauchband.
  • Karpaltunnelsyndrom – Durch Wassereinlagerungen. Hilfe: Nachtschiene, kühlende Wickel, in seltenen Fällen Operation nach der Geburt.
  • Restless-Legs-Syndrom – Durch Eisenmangel oder Schlafmangel. Hilfe: Eisensubstitution bei Mangel, Magnesium, leichte Beinmassage.
  • Schlafstörungen – Besonders in der Spätschwangerschaft. Hilfe: Stillkissen zum Liegen, Entspannungstechniken, ggf. Baldrian (Lasea), Achtung mit Schlafmedikamenten!

Schwangerschaft und Infektionen

Manche Infektionen können dem Kind schaden:

  • Röteln – In der Frühschwangerschaft schwere Fehlbildungen möglich. Impfschutz vor der Schwangerschaft prüfen!
  • Toxoplasmose – Vermeiden Sie rohes Fleisch, ungewaschenes Gemüse, Katzenkot.
  • Listeriose – Vermeiden Sie Rohmilchprodukte, geräucherten Fisch, Weichkäse.
  • Cytomegalievirus (CMV) – Vor allem im Kontakt mit Kleinkindern. Strenge Händehygiene!
  • Windpocken – Bei fehlendem Immunschutz im Kontakt mit Erkrankten sofort Antikörper-Gabe.
  • Streptokokken B – Routinemäßiges Screening am Ende der Schwangerschaft, ggf. antibiotische Prophylaxe unter der Geburt.
  • Harnwegsinfekte – In der Schwangerschaft häufig, mit Antibiotika behandeln (z. B. Penicilline oder Cephalosporine).

Beratung in der Apotheke

In der Rathaus-Apotheke beraten wir Sie zu allen Medikamenten und Produkten, die in der Schwangerschaft sicher angewendet werden können. Bei jeder Medikamenten-Anfrage prüfen wir die Datenbank Embryotox der Charité Berlin, die als Goldstandard für die Bewertung von Arzneimitteln in der Schwangerschaft gilt. Wir helfen Ihnen auch, geeignete Mittel gegen die typischen Schwangerschaftsbeschwerden zu finden – mit der gebotenen Sorgfalt und Sicherheit für Mutter und Kind.

Bei den oben genannten Warnzeichen oder bei akuten Beschwerden wenden Sie sich aber bitte immer zuerst an Ihre Frauenärztin oder die nächstgelegene gynäkologische Notaufnahme. Wir Apotheker sind eine Ergänzung zur ärztlichen Versorgung – kein Ersatz.

Wir beraten Sie

Auch zu Medikamenten in der Schwangerschaft. 02631/7 19 30