Schlaganfall – was sofort zählt und wie Sie das Risiko senken


Jährlich erleiden in Deutschland etwa 260.000 Menschen einen Schlaganfall. Jede Minute zählt: Je früher die Versorgung beginnt, desto mehr Hirngewebe lässt sich retten. Wir möchten Ihnen die wichtigsten Punkte zusammenfassen – vom Erkennen bis zur Nachsorge und Vorbeugung.

Sofort handeln: Der FAST-Test

Ein Schlaganfall lässt sich in wenigen Sekunden mit dem FAST-Test erkennen:

  • F – Face (Gesicht): Lassen Sie die Person lächeln. Hängt eine Gesichtshälfte herunter?
  • A – Arms (Arme): Beide Arme strecken und Handflächen nach oben drehen. Sinkt einer ab?
  • S – Speech (Sprache): Lassen Sie einen einfachen Satz nachsprechen. Verwaschen, undeutlich?
  • T – Time (Zeit): Bei einem oder mehreren Auffälligkeiten sofort den Notruf 112 wählen

Andere Hinweise: plötzliche Sehstörungen auf einem oder beiden Augen, starker Kopfschmerz ohne erklärbare Ursache, plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit, Doppelbilder, Verwirrtheit, einseitige Taubheit oder Lähmung.

Was im Krankenhaus geschieht

In der Stroke Unit (Schlaganfall-Spezialstation) wird in 30 Minuten:

  • CT- oder MRT-Bildgebung zur Unterscheidung zwischen Ischämie (80%) und Blutung (20%)
  • Bei Ischämie: medikamentöse Lyse (rtPA) innerhalb 4,5 Stunden ab Symptombeginn, ggf. Thrombektomie (mechanische Gefäßeröffnung) bis 24 Stunden
  • Bei Blutung: Drucksenkung, ggf. neurochirurgischer Eingriff
  • Stabilisierung von Blutdruck, Blutzucker, Temperatur, Atmung
  • Frühe Mobilisierung und Diagnostik der Ursache (Vorhofflimmern, Karotis-Engstellen, Risikofaktoren)

Häufige Ursachen

  • Arteriosklerose: Verkalkung der Hirngefäße mit Engstellen
  • Vorhofflimmern: häufigste Quelle von kardialen Embolien
  • Karotis-Stenose: Verengung der Halsschlagader
  • Bluthochdruck: zentraler Risikofaktor sowohl für Ischämie als auch Blutung
  • Diabetes mellitus: 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko
  • Rauchen: massiv erhöhtes Risiko
  • Hohe Blutfette: vor allem LDL-Cholesterin
  • Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress: zusätzliche Faktoren
  • Herzklappenerkrankungen, offene Foramen ovale: kardiogene Embolien
  • Schlafapnoe: erhöhtes Risiko durch nächtliche Sauerstoff-Schwankungen

Rehabilitation

Frühe und gezielte Rehabilitation entscheidet viel:

  • Physiotherapie: zur Wiedererlangung der Bewegungsfähigkeit
  • Ergotherapie: für die Alltagsbewältigung
  • Logopädie: bei Sprach- und Schluckstörungen
  • Neuropsychologie: bei Konzentrations-, Gedächtnis-, Aufmerksamkeitsproblemen
  • Schmerztherapie: bei zentralem Schmerz
  • Psychologische Begleitung: bei depressiver Reaktion (sehr häufig nach Schlaganfall)
  • Stationäre und ambulante Rehabilitation nach Anschlussheilbehandlung
  • Hilfsmittelversorgung: Rollator, Gehstock, Orthesen, Rampe

Sekundärprophylaxe

Nach einem ersten Schlaganfall steigt das Risiko eines Folge-Schlaganfalls deutlich. Die Sekundärprophylaxe ist entscheidend:

  • Plättchenhemmer: ASS, Clopidogrel oder die Kombination (in den ersten 21 Tagen)
  • Antikoagulation bei Vorhofflimmern: DOAK (Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran) oder Marcumar
  • Statin-Therapie: LDL-Ziel unter 70 mg/dl, bei sehr hohem Risiko unter 55 mg/dl
  • Blutdruck-Einstellung: Ziel unter 130/80 mmHg
  • Diabetes-Optimierung: HbA1c unter 7%
  • Karotis-Operation oder -Stenting bei hochgradiger Stenose
  • Rauchstopp und Alkoholmaß
  • Regelmäßige Bewegung: 150 Minuten moderat pro Woche
  • Mediterrane Ernährung
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Schlafapnoe-Diagnostik und ggf. CPAP-Therapie

Was die Apotheke leistet

  • Beratung zur Einnahme-Treue bei Plättchenhemmern und Antikoagulanzien
  • Wechselwirkungs-Check der oft komplexen Dauermedikation
  • Erinnerungssysteme: Wochen-Tablettenboxen, App-basierte Erinnerung
  • Blutdruck- und Blutzuckermessung im Mostrador
  • Hilfsmittelversorgung: Rollatoren, Gehstöcke, Toilettensitzerhöhungen, Greifhilfen
  • Beratung zu Spezialnahrung bei Schluckstörungen (Andickungsmittel, hochkalorische Trinknahrung)
  • Hautpflege bei eingeschränkter Mobilität: Druckstellen-Prävention
  • Schmerz- und Schlafmittel bei Bedarf, mit Wechselwirkungsbeachtung
  • Empfehlung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
  • Vermittlung an Selbsthilfegruppen wie Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Wer früh Hilfe holt, kann oft rehabilitieren

Mit der Stroke Unit-Behandlung und konsequenter Rehabilitation erreichen viele Patientinnen und Patienten weitgehende Erholung. Das wichtigste Element ist die Geschwindigkeit der Versorgung: jede halbe Stunde Verzögerung kostet messbar gerettete Nervenzellen. Daher: bei Verdacht immer 112 wählen, niemals abwarten, niemals den Hausarzt zuerst anrufen.

Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied

Nach einem Schlaganfall verändert sich vieles: die Medikation wird komplexer, die Lebensumstände passen sich an, Familien organisieren sich neu. Wir sind für Sie da: mit Beratung zur Therapie, mit Hilfsmittelversorgung, mit ehrlichem Zuhören. Bringen Sie Ihren aktuellen Befund und die Medikamentenliste mit – wir gehen sie gemeinsam durch.