Fieber bei Kindern – ruhig bleiben und gezielt handeln


Fieber gehört zu den häufigsten Gründen, weshalb Eltern eine Apotheke oder Kinderarztpraxis aufsuchen. Es ist keine Krankheit, sondern ein wichtiges Werkzeug des Immunsystems – die meisten Infekte heilen damit besser ab. Trotzdem braucht es Augenmaß, weil Kinder sich schnell unwohl fühlen und Beobachtung wichtig ist. Wir möchten Ihnen die wichtigsten Eckpfeiler an die Hand geben.

Was als Fieber zählt

  • Bis 37,5 °C: normale Körpertemperatur
  • 37,5 bis 38,0 °C: subfebrile Temperatur (leicht erhöht)
  • 38,0 bis 38,5 °C: leichtes Fieber
  • 38,5 bis 39,5 °C: deutliches Fieber
  • Über 39,5 °C: hohes Fieber
  • Über 41 °C: hyperpyretisch – immer ärztlich vorstellen

Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt jede Temperatur ab 38 °C als ärztlicher Vorstellungsgrund – unabhängig vom Allgemeinzustand. Bei älteren Kindern entscheidet das Befinden mit. Ein Kind, das trotz Fieber spielt und trinkt, braucht oft kein Medikament; ein lethargisches Kind dagegen schon.

Richtig messen

Bei Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahren ist die rektale Messung mit dem digitalen Fieberthermometer am verlässlichsten. Eine sehr dünne Schicht Vaseline am Thermometer erleichtert das Einführen. Bei älteren Kindern ist die Ohrmessung praktisch, sie hat aber Abweichungen bis 0,5 °C in beide Richtungen. Stirnthermometer sind bequem, aber am ungenauesten. Achsel- oder Mundmessung liefert ebenfalls niedrigere Werte als die rektale.

Was zuerst hilft – ohne Medikament

  • Viel trinken anbieten: lauwarmer Tee, Wasser, verdünnte Säfte; bei Säuglingen häufiger anlegen oder Fläschchen geben
  • Leichte Kleidung; die Wärmeabgabe soll nicht behindert werden
  • Wadenwickel mit lauwarmem Wasser, wenn das Kind nicht friert – nicht eiskalt, weil das Gegenreaktionen auslöst
  • Frische Luft im Raum, Temperatur 18–20 °C
  • Ruhe, Nähe, Zuwendung
  • Verzicht auf große Mahlzeiten; das Kind isst meist von selbst, sobald es ihm besser geht

Wann ein Fiebersenker sinnvoll ist

Nicht jedes Fieber muss medikamentös gesenkt werden. Sinnvoll ist es, wenn das Kind sich deutlich unwohl fühlt, schlecht schläft, nicht trinken mag oder Schmerzen hat. Die wichtigsten Wirkstoffe für Kinder:

  • Paracetamol: ab dem Säuglingsalter zugelassen; 10–15 mg/kg Körpergewicht pro Einzeldosis, höchstens 60 mg/kg pro Tag, Mindestabstand 6 Stunden zwischen den Dosen. Erhältlich als Saft, Zäpfchen, Tabletten ab Schulalter.
  • Ibuprofen: ab dem 3. Lebensmonat bzw. 5 kg Körpergewicht zugelassen; 10 mg/kg pro Einzeldosis, höchstens 30 mg/kg pro Tag, Mindestabstand 8 Stunden. Wirkt zusätzlich entzündungshemmend.
  • Acetylsalicylsäure ist bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Infekten nicht geeignet (Reye-Syndrom-Risiko).

Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter. Lassen Sie sich von uns die passende Dosis ausrechnen und ein Schema mit Uhrzeiten aufschreiben – das hilft in der Nacht.

Wann ärztliche Hilfe wichtig wird

  • Säuglinge unter drei Monaten mit Temperatur ab 38 °C
  • Kinder zwischen drei und sechs Monaten mit Fieber über 39 °C
  • Fieber, das länger als drei Tage anhält
  • Wiederauftretendes Fieber nach fieberfreier Phase
  • Lethargie, ungewöhnliche Schläfrigkeit, schwer weckbar
  • Steifer Nacken, lichtempfindlich, Hautausschlag, der bei Glasdruck nicht blasst (Petechien)
  • Atemnot, schnelle oder pfeifende Atmung
  • Trinkverweigerung, deutlich verminderter Urinabsatz
  • Krampfanfall – Fieberkrampf einmalig: Kind in stabile Seitenlage bringen, Zeit messen, danach Vorstellung
  • Allgemein: wenn ein Elternteil das Gefühl hat «mit dem Kind ist etwas nicht in Ordnung», bitte ärztlichen Rat einholen

Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied

Wir nehmen uns Zeit, gemeinsam mit Ihnen den passenden Wirkstoff in der richtigen Dosis auszuwählen, achten auf eventuelle Allergien oder Begleitmedikamente und geben Ihnen einen schriftlichen Plan für die nächsten Stunden mit. Bei Bedarf können wir Sie auch über den kinderärztlichen Notdienst informieren oder Hilfsmittel wie Fieberthermometer, Notfalldokumente oder einen Trinkbecher mit Markierungen mitgeben. Sie sind nicht allein.