Sonnenschutz richtig anwenden


Sonnenlicht ist Lebensqualität, aber auch der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Hautkrebs. Wer ein paar Grundregeln kennt, hat im Sommer und auf Reisen viel weniger zu befürchten. Wir möchten Ihnen einen kompakten Überblick geben, damit Sie das Richtige aus dem Regal greifen und auch wirklich angewendet bekommen.

UVA, UVB und der Lichtschutzfaktor

Die Sonne sendet vor allem UVA- und UVB-Strahlung aus. UVB ist für Sonnenbrand und Hautkrebs maßgeblich verantwortlich. UVA dringt tiefer in die Haut und ist für Hautalterung, Sonnenallergien und ebenfalls für Hautkrebsrisiken bedeutsam. Der Lichtschutzfaktor (LSF) auf der Verpackung gibt an, wie viel länger die geschützte Haut der Sonne ausgesetzt werden darf, ohne sich zu röten – aber nur unter Idealbedingungen.

Ein UVA-Logo (eingekreistes «UVA») signalisiert, dass auch der UVA-Schutz ausreichend hoch ist. In Deutschland ist dafür gesetzlich mindestens ein Drittel des UVB-Schutzes vorgeschrieben.

Welcher LSF zu wem passt

  • Hauttyp I (sehr hell, rotblond, helle Augen): LSF 50+, immer
  • Hauttyp II (hell, blond, oft Sommersprossen): LSF 50
  • Hauttyp III (mittel, dunkelblond bis braun): LSF 30 bis 50
  • Hauttyp IV (mediterran, braun bis oliv): LSF 30
  • Hauttyp V und VI (dunkel bis schwarz): LSF 15 bis 30 für tropfige Sonnenperioden
  • Kinder bis sechs Jahre: LSF 50 mineralisch oder mit photostabilen Filtern
  • In Gebirgs- und Schneeregionen (Reflexion durch Schnee) sowie am Wasser: jeweils einen Hauttyp höher rechnen

Wie viel auftragen

Hier liegt der häufigste Fehler. Erwachsene benötigen etwa 30 bis 40 Milliliter pro Ganzkörperanwendung – das sind ungefähr 2 Esslöffel oder 6 großzügige Teelöffel. Für das Gesicht inklusive Hals und Ohren reicht ein Esslöffel. Faustregel: pro Bereich (Gesicht, Vorderseite Oberkörper, Rückenseite, je Arm, je Bein) eine knappe Teelöffel-Menge.

Tragen Sie das Produkt etwa 20 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne auf. Erneuern Sie es alle zwei Stunden, nach Baden, nach starkem Schwitzen oder nach dem Abtrocknen. Sonnenschutz lässt sich nicht «auftragen für den Tag».

Chemische, mineralische und neuere Filter

  • Chemische Filter (Avobenzon, Octocrylen, Bemotrizinol, Bisoctrizol) absorbieren UV-Strahlung und wandeln sie in Wärme um. Heute moderne Filter sind photostabil und gut verträglich.
  • Mineralische Filter (Zinkoxid, Titandioxid) reflektieren das Licht und sind besonders verträglich. Bei sehr hellen, empfindlichen oder atopischen Hauttypen sowie für Säuglinge erste Wahl.
  • Neue Filter wie Tinosorb, Mexoryl, Uvasorb HEB bieten breitbandigen Schutz auch im langwelligen UVA-Bereich und sind selten allergen.
  • Bei Empfindlichkeit prüfen Sie das INCI-Verzeichnis und probieren das Produkt vorher in der Armbeuge.

Sonnenschutz in der Apotheke

Wir führen Marken wie Avene, La Roche-Posay Anthelios, Eucerin, Bioderma Photoderm, Daylong, Ladival und einige medizinisch ausgerichtete Speziallinien für lichtempfindliche Hauttypen, Rosacea, hormonell bedingte Pigmentstörungen und nach dermatologischen Behandlungen. Bei Tendenz zu Pigmentflecken (z. B. nach hormoneller Verhütung oder Schwangerschaft) achten wir zusätzlich auf Schutz vor sichtbarem blauem Licht.

Sonnenbrand verhindern und behandeln

  • Mittagssonne von 11 bis 15 Uhr meiden, besonders im Hochsommer
  • Schatten suchen, Kopfbedeckung mit breiter Krempe, UV-Sonnenbrille mit Schutz an den Seiten
  • Bei Sonnenbrand: kühlen mit feuchten Tüchern, kein Eis direkt; aloevera- oder panthenolhaltige Lotionen für die Hautregeneration
  • Bei großflächigem Brand mit Blasen, Übelkeit, Schwindel oder Fieber: ärztliche Vorstellung – das ist ein Sonnenstich oder eine Verbrennung zweiten Grades
  • Mehrere Tage in den Schatten verziehen, viel trinken

Mythen, die sich hartnäckig halten

  • «Bei Bewölkung brauche ich keinen Sonnenschutz» – bis zu 80 % der UV-Strahlung dringen auch durch leichte Wolken.
  • «Vorbräunen schützt vor Sonnenbrand» – eine leichte Bräune entspricht maximal LSF 2 bis 4, nicht ausreichend für längere Sonnenexposition.
  • «Im Auto bin ich geschützt» – klassisches Fensterglas hält UVB, lässt aber UVA durch. Folienfilter helfen.
  • «Sunscreen ist nur für den Strand» – tägliche Anwendung im Gesicht ist die einfachste Anti-Aging-Maßnahme.
  • «Höherer LSF = doppelter Schutz» – der Sprung von LSF 30 auf 50 reduziert die UV-Belastung nur um etwa drei Prozentpunkte, ist aber sinnvoll bei Hauttyp I/II.

Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied

Wir nehmen uns Zeit für das Hauttypen-Gespräch, prüfen die Verträglichkeit Ihrer aktuellen Pflege und finden mit Ihnen die passende Konsistenz – Gel, Fluid, Spray, Stick, Lotion. Auch für Spezialsituationen wie Sonnenallergien, Photodermatosen, Pigmentflecken oder Photosensibilisierung unter bestimmten Medikamenten haben wir Empfehlungen. Vereinbaren Sie einen Termin oder kommen Sie spontan an die Beratungsecke.