Hautpflege im Winter – was kalte Tage von der Haut verlangen
Sobald die Außentemperatur unter acht Grad sinkt, fährt die Talgproduktion der Haut spürbar herunter. Heizungsluft entzieht zusätzlich Feuchtigkeit, der ständige Wechsel zwischen kalt und warm reizt die Gefäße. Wer im Winter die gleiche Pflege wie im Sommer benutzt, fühlt sich schnell trocken, gespannt, manchmal sogar wund. Wir möchten Ihnen ein paar Bausteine an die Hand geben, mit denen die Wintersaison freundlicher zur Haut wird.
Was die Haut im Winter verändert
Im Sommer schützen Talg und Schweiß als feiner Film die Hautoberfläche, die sogenannte Hydrolipidschicht. Im Winter fehlt dieser Film teilweise, weil die Talgdrüsen bei Kälte weniger Sekret produzieren. Zugleich sinkt die Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen oft auf 20 bis 30 Prozent – das ist deutlich trockener als die Sahara. Die Haut verliert dadurch über die Atmung der Oberhaut mehr Wasser, der Schutz schwindet, Reizungen treten leichter auf.
Besonders empfindlich reagieren Gesicht, Hände und Lippen, weil diese Bereiche unbedeckt der Witterung ausgesetzt sind. Menschen mit Neurodermitis oder Schuppenflechte erleben die Wintermonate häufig als belastendere Phase ihrer Erkrankung.
Reinigung – weniger ist mehr
Wer im Winter zweimal täglich mit Seife wäscht, schwächt den ohnehin reduzierten Säureschutz. Verwenden Sie milde, rückfettende Syndets oder Lipidwaschlotionen ohne Sulfate. Warm, nicht heiß waschen. Nach dem Waschen die Haut sanft trocken tupfen, nicht reiben. Pflege gleich aufgetragen wirkt am besten, weil sie die Restfeuchtigkeit einschließt.
Pflege mit Fett, nicht nur mit Wasser
- Im Sommer leichte Lotionen, im Winter reichhaltigere Cremes mit höherem Fettanteil
- Wirkstoffe wie Ceramide, Squalan, Sheabutter, Mandelöl, Avocadoöl reichern die Hautbarriere an
- Urea (5 %) bindet Feuchtigkeit; bei sehr trockener Haut bewähren sich 10 % Urea-Cremes für Hände und Füße
- Glycerin und Hyaluron wirken in der oberen Hautschicht feuchtigkeitsbindend, sollten aber mit einem Lipidanteil kombiniert werden, sonst verdunsten sie schnell
- Vorsicht mit hohen Konzentrationen von Säuren (AHA, BHA), Retinol oder Vitamin C in den Wintermonaten – die Haut ist empfindlicher und reagiert schneller mit Reizungen
Lippen, Hände und kalte Räume
Lippen haben keine Talgdrüsen. Sie brauchen Fettpflege auf Basis von Bienenwachs, Pflanzenölen, Lanolin oder Vaseline. Pflegestifte mit hohem Wasseranteil können das Spannungsgefühl kurzfristig lindern, aber bei kalter Luft schnell verdunsten und das Problem verschärfen. Gewohnheitsmäßiges Befeuchten mit der Zunge ist die häufigste Ursache für rissige Lippen – achten Sie aktiv darauf.
Für die Hände lohnt sich eine Doppelstrategie: am Tag eine leichte Handcreme nach jedem Händewaschen, am Abend eine reichhaltigere Variante, eventuell unter dünnen Baumwollhandschuhen über Nacht. Wer beruflich häufig die Hände desinfiziert oder wäscht, sollte mit uns über rückfettende Lotionen sprechen.
Auch im Raum lohnt sich ein Blick auf das Klima: ein Hygrometer zeigt die Luftfeuchtigkeit, eine Schale Wasser auf der Heizung oder ein elektrischer Luftbefeuchter helfen, das Niveau auf 40 bis 60 Prozent zu heben. Das tut nicht nur der Haut, sondern auch den Atemwegen gut.
Sonnenschutz im Winter
UV-Strahlung verschwindet im Winter nicht. Auf Schneeflächen wird sie sogar reflektiert und kann Sonnenbrand auslösen. Wer Skifahren geht oder regelmäßig in den Bergen ist, sollte einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 für das Gesicht und Lippen verwenden. Auch in der Stadt lohnt sich an sonnigen Tagen ein leichter UV-Schutz, vor allem für lichtempfindliche oder gerötete Haut.
Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist
- Anhaltende Rötung oder Schuppung trotz konsequenter Pflege
- Bekannte Neurodermitis, die sich deutlich verschlimmert
- Nässende Stellen, Krustenbildung oder Hinweise auf Infektion
- Plötzlich auftretende, juckende Hautveränderungen unbekannter Ursache
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Wir nehmen uns Zeit für die individuelle Hautsituation. Welche Cremegrundlage passt zu Ihrem Hauttyp? Wo verträgt Ihre Haut Urea, wo lieber Glycerin? Brauchen Sie ein Sortiment für Neurodermitis oder eine besonders milde Pflege bei Rosacea? Bringen Sie gern Ihre bisherige Pflegeroutine mit, wir schauen gemeinsam, wo eine Anpassung sinnvoll ist – und probieren bei Bedarf vor Ort Texturen aus.
