Blutdruck zuhause messen – verlässlich, ruhig und ohne Stress
Selbst gemessene Blutdruckwerte sind oft aussagekräftiger als die kurze Stichprobe in der Arztpraxis. Sie zeigen, wie der Kreislauf im Alltag, in Ruhe und unter Belastung wirklich arbeitet. Damit aus den Zahlen verlässliche Hinweise werden, lohnt es sich, ein paar Grundlagen zu kennen – vom passenden Gerät bis zur Sitzhaltung beim Messen.
Welche Geräte sich bewährt haben
In Apotheken werden vor allem zwei Bauformen verkauft: Oberarm- und Handgelenk-Messgeräte. Für die meisten Erwachsenen ist ein Oberarmgerät die erste Wahl. Es misst zuverlässiger, weniger lageabhängig und ist auch bei dickeren Armen genau, sofern die Manschette passt. Handgelenk-Messgeräte sind kompakter und unterwegs praktisch, brauchen aber eine sehr aufmerksame Handhaltung, weil das Gelenk während der Messung exakt auf Herzhöhe liegen muss.
Beim Kauf achten Sie auf eine Validierung durch eine anerkannte Institution wie die Deutsche Hochdruckliga oder die European Society of Hypertension. Validierte Geräte tragen meist ein entsprechendes Logo auf der Packung. Wir prüfen das auf Wunsch gemeinsam mit Ihnen. Zudem ist wichtig, dass die Manschette zu Ihrem Oberarmumfang passt – Standardmanschetten reichen meist für 22 bis 32 Zentimeter, größere Modelle sind als Sonderzubehör erhältlich.
So messen Sie richtig
- Vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig sitzen, möglichst zur gleichen Tageszeit
- Nicht direkt nach körperlicher Anstrengung, Kaffee, Tee oder Rauchen messen
- Beide Füße flach auf den Boden, der Rücken angelehnt
- Den Arm entspannt auf einem Tisch ablegen, sodass die Manschette auf Herzhöhe liegt
- Beim Oberarmgerät: Manschette direkt auf der Haut, nicht über dickem Pullover
- Beim Handgelenkgerät: die Hand mit der Manschette zur Brust führen, sodass das Display zu Ihnen zeigt
- Während der Messung nicht sprechen, nicht das Smartphone bedienen, ruhig atmen
Es hat sich bewährt, zweimal hintereinander zu messen und den Mittelwert zu notieren. Die erste Messung fällt oft etwas höher aus, weil sich der Körper noch nicht ganz angepasst hat. Wer langfristig dokumentieren möchte, führt morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Zubettgehen eine Messung durch und schreibt die Werte in ein Heft, eine kostenlose App oder direkt in die Geräte-Speicherfunktion.
Welche Werte sind normal?
Bei gesunden Erwachsenen gelten Werte unter 120/80 mmHg als optimal, bis 129/84 mmHg als normal. Im hochnormalen Bereich liegen die Werte zwischen 130/85 und 139/89 mmHg. Ab 140/90 mmHg sprechen wir von Bluthochdruck (Hypertonie), wobei für die Diagnose mehrere Tage mit erhöhten Werten dokumentiert werden müssen. Wer eine bekannte Erkrankung wie Diabetes oder eine Nierenschwäche hat, sollte engere Zielwerte mit der behandelnden Praxis abstimmen.
Zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) wird oft erst dann zum Thema, wenn er mit Schwindel, Müdigkeit oder kurzen Bewusstseinsverlusten einhergeht. Werte um 100/60 mmHg sind bei jungen und schlanken Menschen häufig unkritisch.
Was Sie tun können, wenn die Werte zu hoch sind
Bevor Sie über Medikamente nachdenken, lohnt es sich, die Lebensstilfaktoren zu prüfen. Bereits moderater Gewichtsverlust senkt den Blutdruck deutlich. Auch regelmäßige Bewegung – idealerweise 30 Minuten Ausdauer an fünf Tagen pro Woche – wirkt direkt auf den Kreislauf. Eine salzarme, gemüsereiche Ernährung, ein moderater Alkoholkonsum und der Verzicht auf das Rauchen sind die größten Hebel. Wer regelmäßig schläft, gönnt seinem Kreislauf zudem Erholungsphasen.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder ist der Blutdruck deutlich erhöht, sollte er medikamentös eingestellt werden. Häufig kommen ACE-Hemmer, Sartane, Calciumantagonisten, Diuretika oder Beta-Blocker zum Einsatz – je nach Begleiterkrankungen in unterschiedlichen Kombinationen. Wir helfen Ihnen, die regelmäßige Einnahme im Alltag zu verankern, Wechselwirkungen zu bedenken und etwaige Nebenwirkungen frühzeitig einzuordnen.
Wann ein Arztbesuch ratsam ist
- Bei wiederholten Werten über 140/90 mmHg ohne erkennbaren Anlass
- Bei plötzlich auftretenden, sehr hohen Werten (über 180/110 mmHg) – insbesondere mit Sehstörungen, Atemnot oder Brustschmerz
- Bei deutlich niedrigem Blutdruck mit Stürzen oder Ohnmacht
- Wenn ein bekannter Bluthochdruck plötzlich schlechter eingestellt ist als zuvor
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Sie überlegen sich, ein eigenes Messgerät anzuschaffen? Wir vergleichen mit Ihnen Modelle, prüfen die Manschettengröße und richten das Gerät auf Wunsch direkt mit Ihnen ein. Auch eine kostenlose Erstmessung in unserer Beratungsecke ist möglich, damit Sie ein Referenzbild bekommen. Bringen Sie gerne ein bestehendes Heft mit, dann können wir gemeinsam einen Blick auf die Verläufe werfen.
