Erkrankungen der Mundhöhle
Die Mundhöhle ist der Eingang zum Verdauungssystem und gleichzeitig ein wichtiger Teil der Sinneswahrnehmung (Geschmack), der Atmung und der Sprache. Erkrankungen der Mundhöhle sind sehr häufig und oft sehr lästig – verbunden mit Schmerzen, Schluckbeschwerden, Mundgeruch und sozialer Beeinträchtigung. Die meisten lassen sich gut behandeln, frühzeitige Diagnose ist jedoch wichtig.
Aphthen (Mundgeschwüre)
Sehr häufige, schmerzhafte Schleimhautulzerationen, oft an der Innenseite der Lippen, Wangen, am Zungenrand oder am weichen Gaumen.
Formen
- Minor-Aphthen: 80%, klein (< 1 cm), heilen in 7-14 Tagen ohne Narbe
- Major-Aphthen: 10%, groß (> 1 cm), tiefer, heilen in Wochen, oft mit Narben
- Herpetiforme Aphthen: 10%, multiple, klein, häufig wiederkehrend
Ursachen
- Mikrotraumen (Beißen, scharfe Speisen, Zahnspangen)
- Stress, Schlafmangel
- Nahrungsmittel (Nüsse, Schokolade, Tomaten, Zitrusfrüchte, Käse)
- Mangel an Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Zink
- Hormonelle Schwankungen (Menstruation)
- Genetische Veranlagung
- Manche Erkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie, Morbus Behçet
- Medikamente: NSAR, manche Antiepileptika
Therapie
- Lokal anästhetische Gels und Sprays (Lidocain, Benzocain): Mundisal Gel, Dynexan Mundgel, Trachisan
- Antiseptisch-adstringierende Lösungen (Pyralvex, Salviathymol)
- Triamcinolon-Salben in Adhäsivpaste (Volon A Haftsalbe)
- Mundspülungen mit Chlorhexidin oder Hexetidin
- Coating-Gels (Gelclair, Aftamed) bilden eine Schutzschicht
- Bei häufigen Aphthen: B12-, Folsäure-, Eisen-, Zinkstatus prüfen
- Auslöser identifizieren und meiden
- Stressreduktion
Soor (Candidose der Mundschleimhaut)
Pilzinfektion durch Candida albicans. Häufige Patientengruppen: Säuglinge, ältere Menschen mit Zahnprothesen, Patienten mit Diabetes, Mundtrockenheit, Antibiotika-Therapie, Inhalationskortikosteroiden (Asthma), Immunsuppression (Chemotherapie, HIV).
Formen und Symptome
- Pseudomembranöse Form: weiße, abwischbare Belege auf geröteter Schleimhaut
- Erythematöse (atrophische) Form: rote, schmerzhafte Schleimhaut, oft unter Zahnprothesen
- Cheilitis angularis: rissige, schmerzhafte Mundwinkel
- Hyperplastische Form: weiße, nicht abwischbare Belege (selten)
Therapie
- Antimykotika lokal: Nystatin Suspension oder Pastillen (Moronal), Miconazol Mundgel (Daktar)
- Bei stärkerem Befall oder Immunsuppression: Fluconazol systemisch
- Mundprothesen: Reinigung und Desinfektion in chlorhexidinhaltigen Lösungen, ggf. neue Prothese
- Diabetes-Einstellung optimieren
- Bei Inhalations-Kortison: nach jedem Spray Mund spülen oder essen/trinken
Halitosis (Mundgeruch)
Sehr häufiges Problem, sozial sehr belastend.
Ursachen
Im Mund (90% der Fälle):
- Schlechte Mundhygiene mit Plaque-Bildung
- Zungenbelag (häufigste Einzelursache!)
- Karies, Parodontitis, Zahnfleischentzündung
- Trockener Mund (Xerostomie)
- Tabakkonsum
- Verfaulte Speisereste in Zahnzwischenräumen
Außerhalb des Mundes:
- Mandelsteine (Tonsillolithen)
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung, postnasaler Reflux
- Gastroösophagealer Reflux
- Magenerkrankungen (selten)
- Helicobacter-pylori-Infektion
- Lungen- oder Atemwegserkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes (Acetongeruch), Niereninsuffizienz (urämischer Geruch), Lebererkrankungen (Foetor hepaticus)
- Medikamente
Therapie
- Gründliche Mundhygiene: Zähneputzen mind. 2× tägl, Zahnseide oder Interdentalbürsten täglich
- Zungenreinigung mit Zungenschaber oder weicher Bürste – essentiell!
- Mundspülungen mit Chlorhexidin (kurzzeitig) oder Zinkverbindungen (Halita, CB12) zur Neutralisierung von Schwefelverbindungen
- Professionelle Zahnreinigung 1-2× jährlich
- Behandlung von Karies und Parodontitis
- Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
- Kaugummis mit Xylit nach dem Essen (regen Speichelfluss an)
- Bei persistenten Beschwerden trotz guter Mundhygiene: HNO-, Magen- oder Internistenuntersuchung
Mundtrockenheit (Xerostomie)
Subjektive Empfindung von Mundtrockenheit oder objektive Verringerung der Speichelproduktion. Führt zu Beschwerden beim Sprechen, Essen, Schlucken, fördert Karies und Pilzinfektionen.
Ursachen
- Medikamente (häufigste Ursache!): über 400 Wirkstoffe können Mundtrockenheit verursachen, darunter Antidepressiva, Antihistaminika, Antihypertensiva, Diuretika, Psychopharmaka, manche Antibiotika
- Altersbedingt
- Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen
- Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung der exokrinen Drüsen)
- Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich
- Chemotherapie
- Dehydratation
- Mundatmung (Schnarcher!)
- Stress, Angst, Depression
Therapie
- Ursache wenn möglich beseitigen (Medikamente umstellen)
- Ausreichend trinken (kleine Schlucke häufig über den Tag)
- Zuckerfreie Kaugummis mit Xylit
- Speichelersatzmittel: BioXtra, Glandosane, Saliva Natura (Spray, Gel, Pastillen)
- Mundspülungen ohne Alkohol (Alkohol trocknet zusätzlich aus)
- Befeuchter im Schlafzimmer, Atmen durch die Nase
- Pilocarpin oder Cevimelin (auf Rezept) zur Speichelstimulation in schweren Fällen
- Akupunktur kann helfen
- Spezielle Zahnpflege: Fluoridgel, häufige Kontrollen
Burning Mouth Syndrome (Mundbrennen)
Brennen oder Schmerzen im Mund ohne erkennbare lokale Ursache. Häufig bei postmenopausalen Frauen.
Diagnostik: Ausschluss von Soor, Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Zinkmangel, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Sjögren-Syndrom, Reflux, Allergien (Zahnmaterialien).
Therapie: Substitution bei nachgewiesenem Mangel, lokale Behandlung mit Capsaicin oder Clonazepam, niedrig dosierte trizyklische Antidepressiva oder Pregabalin/Gabapentin, kognitive Verhaltenstherapie.
Leukoplakie (weiße Schleimhautveränderungen)
Weiße, nicht abwischbare Flecken auf der Mundschleimhaut. Können präkanzerös sein (3-17% entwickeln Mundhöhlenkarzinom)!
Risikofaktoren: Tabak (vor allem Rauchen, auch Kautabak, snus), Alkohol, chronische mechanische Reizung, manche Infektionen (HPV).
Vorgehen: jede Leukoplakie sollte zahnärztlich beurteilt werden. Bei Verdacht auf Dysplasie: Biopsie und ggf. Exzision.
Lichen ruber planus (oraler Lichen ruber)
Chronische entzündliche Erkrankung der Schleimhaut. Auf den Wangen weiße, netzartige Streifen (Wickham-Striae). Erosiver Lichen ruber kann schmerzhaft sein. Auch hier Entartungsrisiko von 1-2%.
Therapie: topische Kortikosteroide (Triamcinolon in Haftsalbe), Calcineurin-Inhibitoren bei Therapieresistenz, regelmäßige Kontrollen.
Speicheldrüsenerkrankungen
- Sialadenitis (Speicheldrüsenentzündung): häufig bei der Ohrspeicheldrüse durch Mumps-Virus (bei nicht geimpften) oder bakteriell. Therapie: Anti-Inflammatoria, Antibiotika, Speichelstimulation
- Sialolithiasis (Speichelsteine): vor allem in der Unterkieferspeicheldrüse. Schwellung beim Essen. Therapie: Steinextraktion endoskopisch oder operativ
- Speicheldrüsentumoren: meist gutartig (pleomorphes Adenom der Ohrspeicheldrüse), aber auch bösartig möglich. Therapie: Operation
- Sjögren-Syndrom: Autoimmunerkrankung mit trockenen Augen und trockenem Mund, oft mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert
Geschmacksstörungen
- Ageusie: Geschmacksverlust
- Hypogeusie: Geschmacksminderung
- Dysgeusie: veränderter, oft metallischer Geschmack
Ursachen: Erkältungen, COVID-19, Zinkmangel, Medikamente, Bestrahlung, neurologische Erkrankungen. Therapie: ursachenbezogen. Bei Zinkmangel Substitution.
Mundhöhlenkarzinom
Bösartiger Tumor der Mund- oder Rachenschleimhaut. Risikofaktoren: Tabak, Alkohol (vor allem Kombination!), HPV-Infektion, schlechte Mundhygiene, chronische Reize.
Warnzeichen: nicht heilende Wunden im Mund > 2-3 Wochen, leukoplakische oder erythroplakische Veränderungen, Knoten, Schluckbeschwerden, Ohrenschmerzen ohne erkennbare Ursache, geschwollene Lymphknoten am Hals.
Diagnose: Biopsie. Therapie: chirurgische Resektion, Bestrahlung, Chemotherapie, Immuntherapie. Frühdiagnose ist entscheidend!
Mundhygiene und Vorbeugung in der Apotheke
In der Rathaus-Apotheke bieten wir Ihnen:
- Zahnpasten: für jeden Bedarf (Fluorid, sensible Zähne, Whitening, anti-Plaque, anti-Tartar, Kinder)
- Mundspülungen: antiseptisch (Chlorhexidin), antigingivitisch, anti-Halitose, für Implantatträger
- Zungenreiniger
- Zahnseide und Interdentalbürsten
- Elektrische Zahnbürsten
- Aphthen-Behandlung: Gels, Salben, Lutschtabletten
- Soor-Behandlung: Nystatin, Miconazol
- Speichelersatzmittel: Sprays, Gels, Pastillen
- Xylit-Kaugummis zur Speichelanregung
- Reinigungsmittel für Zahnprothesen
- Lippenpflege mit UV-Schutz, gegen Risse
- Mineralstoffe und Vitamine (B-Komplex, Zink, Eisen) bei Bedarf
Mundgesundheit ist eng mit der Allgemeingesundheit verbunden. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind unverzichtbar. Bei jeder unklaren Schleimhautveränderung > 2 Wochen empfehlen wir den Gang zum Zahnarzt oder Hausarzt.
