Hintergrundwissen Mund, Zähne und Kiefer


Der Mundraum: Eingang ins Verdauungssystem und mehr

Der Mund ist nicht nur das Eingangstor zum Verdauungstrakt, sondern auch ein wichtiges Organ für Sprache, Atmung, Ausdruck von Gefühlen und das ästhetische Erscheinungsbild. Erkrankungen im Mund-, Zahn- und Kieferbereich können daher weitreichende Konsequenzen haben – nicht nur für die Mundgesundheit selbst, sondern auch für das allgemeine Wohlbefinden und sogar für andere Organsysteme (etwa das Herz-Kreislauf-System).

Aufbau und Funktion der Zähne

Ein erwachsener Mensch hat normalerweise 32 Zähne, je 16 im Ober- und Unterkiefer. Sie unterscheiden sich in:

  • Schneidezähne (8 Stück, je 4 oben und unten) – zum Abbeißen
  • Eckzähne (4 Stück, je 2 oben und unten) – zum Festhalten und Zerreißen
  • Backenzähne (Prämolaren und Molaren) (20 Stück, davon 4 Weisheitszähne, die bei vielen Menschen entfernt werden) – zum Kauen und Mahlen

Jeder Zahn besteht aus mehreren Schichten:

  • Zahnschmelz – die härteste Substanz des menschlichen Körpers, schützt den Zahn vor Abnutzung. Kann jedoch nicht regenerieren, wenn er einmal beschädigt ist.
  • Dentin (Zahnbein) – macht den Hauptteil des Zahns aus, weicher als Schmelz, enthält feine Kanälchen zum Pulpa-Innenraum.
  • Zahnzement – bedeckt die Zahnwurzel im Zahnhalteapparat.
  • Pulpa (Zahnmark) – im Innern des Zahns, enthält Nerven und Blutgefäße. Hier entsteht der typische Zahnschmerz.

Der Zahn ist in seinem Zahnfach (Alveole) durch den Zahnhalteapparat (Parodontium) verankert, der aus Zahnzement, Wurzelhaut (Desmodont), Knochenfach und Zahnfleisch besteht. Eine Entzündung dieser Strukturen nennt man Parodontitis – eine der häufigsten Ursachen für Zahnverlust im Erwachsenenalter.

Speichel: ein unterschätztes Wunderorgan

Drei große Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüse, Unterkieferspeicheldrüse, Unterzungenspeicheldrüse) und viele kleine Drüsen produzieren täglich etwa 1 bis 1,5 Liter Speichel. Speichel hat zahlreiche Aufgaben:

  • Neutralisiert Säuren und schützt die Zähne vor Karies
  • Enthält Mineralien (Calcium, Phosphat, Fluorid), die den Zahnschmelz remineralisieren
  • Beginnt die Verdauung der Kohlenhydrate (Alpha-Amylase)
  • Spült Speisereste und Bakterien ab
  • Hält die Mundschleimhaut feucht
  • Enthält Abwehrstoffe (Immunglobuline, Lysozym)

Mundtrockenheit (Xerostomie), etwa durch Medikamente oder bestimmte Erkrankungen, erhöht daher das Karies- und Parodontitis-Risiko deutlich.

Mundhygiene: die wichtigste Vorsorge

Die Grundlagen der Mundgesundheit sind einfach, aber konsequent umzusetzen:

  • Zähneputzen mindestens zweimal täglich für jeweils 2 bis 3 Minuten mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Elektrische Zahnbürsten reinigen oft gründlicher als Handzahnbürsten.
  • Zahnseide oder Interdentalbürsten einmal täglich (mindestens), um die Zahnzwischenräume zu reinigen – hier sammelt sich besonders viel Plaque, die mit der Zahnbürste nicht erreichbar ist.
  • Zungenreiniger bei Mundgeruch oder Belag auf der Zunge.
  • Mundspülung mit fluoridhaltigen oder antiseptischen Lösungen kann ergänzend sinnvoll sein, ersetzt aber nicht das mechanische Reinigen.
  • Zahnzwischenraum-Bürsten sind besonders bei größeren Zwischenräumen, Brücken oder Implantaten empfehlenswert.
  • Halbjährliche Zahnarzt-Kontrolle – nutzen Sie die kassenfinanzierte Vorsorge!
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR) 1 bis 2 Mal jährlich – meist privat zu zahlen, aber sehr empfehlenswert. Manche Zusatzversicherungen erstatten die Kosten.

Was schadet den Zähnen?

  • Häufiger Zuckergenuss – die Plaquebakterien wandeln Zucker zu Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen. Besonders schädlich sind klebrige Süßigkeiten und süße Getränke.
  • Saure Getränke und Speisen (Cola, Limonaden, Säfte, Wein, Obst) – direktes Säureangriff. Nach dem Trinken/Essen 30 Minuten warten, bevor man die Zähne putzt, sonst trägt man weicheren Schmelz ab.
  • Rauchen – massiver Risikofaktor für Parodontitis, Mundkrebs und Zahnverfärbungen.
  • Alkohol – erhöht das Risiko für Mundkrebs erheblich.
  • Stress und Zähneknirschen (Bruxismus) – nutzt die Zähne ab, kann zu Kiefergelenksbeschwerden führen. Aufbissschiene erwägen.
  • Mangelhafte Speichelproduktion (durch bestimmte Medikamente, Strahlentherapie, Autoimmunerkrankungen)
  • Diabetes mellitus – schlecht eingestellte Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Parodontitis.

Mundkrankheiten erkennen

Achten Sie auf folgende Warnsignale und gehen Sie bei Verdacht zum Zahnarzt:

  • Zahnschmerzen, vor allem länger als 1–2 Tage
  • Empfindliche Zähne auf Kälte, Hitze oder Süßes
  • Zahnfleischbluten beim Zähneputzen (Anzeichen von Gingivitis)
  • Geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch
  • Anhaltender, schlechter Mundgeruch
  • Veränderungen der Mundschleimhaut (weiße/rote Flecken, Geschwüre, die länger als 2 Wochen bestehen)
  • Lockerung der Zähne
  • Knirschen, Schmerzen im Kiefergelenk
  • Eingeschränkte Mundöffnung

Beratung in der Apotheke

In der Rathaus-Apotheke beraten wir Sie zu allen Themen der Mundgesundheit:

  • Auswahl der richtigen Zahnpasta (mit Fluorid, bei empfindlichen Zähnen, gegen Zahnstein, bei Parodontitis, für Kinder)
  • Beratung zu Zahnbürsten, Interdentalbürsten und elektrischen Zahnbürsten
  • Empfehlung von Mundspülungen, Gelen, Mundsprays
  • Hilfsmittel bei Mundtrockenheit (Speichelersatzmittel, Pastillen, Sprays)
  • Schmerzlinderung bei Aphthen, Herpes oder Zahnfleischentzündungen
  • Beratung zu Zahnpflege in der Schwangerschaft, bei Kindern und im Alter
  • Reisetauglich verpackte Mund-Notfallapotheke (z. B. für Camping- oder Backpacker-Reisen)

Bei akuten Zahnschmerzen können wir Ihnen freiverkäufliche Schmerzmittel empfehlen – aber sehen Sie diese nur als Überbrückung zur nächsten Zahnarzt-Konsultation. Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers, das ernst genommen werden muss.

Mundgesundheit-Beratung

Wir haben Zeit für Ihre Fragen.

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