Weitere Hauterkrankungen
Vielfalt der Hautkrankheiten
Die Haut ist unser größtes Organ und kann an einer Vielzahl von chronischen oder akuten Erkrankungen leiden. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Hauterkrankungen jenseits der bereits in anderen Kategorien behandelten Themen wie Pilzinfektionen, allergische Reaktionen oder Tumoren.
Schuppenflechte (Psoriasis)
Eine chronisch-entzündliche, schubweise verlaufende Hautkrankheit, die bei etwa 2 Prozent der Bevölkerung auftritt. Charakteristisch sind scharf begrenzte, gerötete, silbrig-schuppende Plaques, vor allem an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und im Kreuzbeinbereich. Die Schuppenflechte ist nicht ansteckend, sondern eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haut fehlsteuert und die Zellteilung übermäßig beschleunigt.
Häufige Begleiterscheinungen: Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis), erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht und Depressionen.
Behandlung: Topisch Vitamin-D-Analoga, Kortison-Salben, Calcineurin-Inhibitoren, Salicylsäure-Vorbehandlung. Bei mittelschweren bis schweren Formen: UV-Therapie, systemische Medikamente (Methotrexat, Fumarsäureester, Acitretin) und moderne Biologika (Anti-TNF, IL-17- und IL-23-Hemmer), die bei vielen Patienten zu einer fast erscheinungsfreien Haut führen.
Neurodermitis (atopische Dermatitis)
Eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen im Kindesalter (bis zu 15 Prozent der Kinder betroffen), die meist mit dem Erwachsenenalter abklingt, in manchen Fällen aber lebenslang persistiert. Hauptsymptome: stark juckende, schuppende, trockene Haut, vor allem in den Beugen (Ellenbeuge, Kniekehle), an Hals, Gesicht und Händen.
Ursache: Genetisch bedingte gestörte Hautbarriere (oft Filaggrin-Mutation) plus immunologische Fehlregulation und Umweltfaktoren. Häufig assoziiert mit Asthma und Heuschnupfen (atopischer Formenkreis).
Therapie: Konsequente Basisbehandlung mit rückfettenden Pflegeprodukten, im akuten Schub topische Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus). Bei schwerer Verlaufsform: Phototherapie, systemische Immunsuppressiva, neue Biologika wie Dupilumab oder JAK-Inhibitoren.
Rosazea (Kupferrose)
Chronische Gesichtsrötung mit Teleangiektasien (feine erweiterte Äderchen) und im fortgeschrittenen Stadium entzündlichen Knötchen und Pusteln, vor allem an Wangen, Nase, Stirn und Kinn. Tritt meist nach dem 30. Lebensjahr auf, häufiger bei hellem Hauttyp. Im schweren Stadium kann sich an der Nase ein knolliges Rhinophym entwickeln.
Trigger: Sonnenlicht, Hitze, scharfe Speisen, Alkohol, Stress, manche Kosmetika.
Therapie: Konsequenter Sonnenschutz, milde Pflegeprodukte, topische Wirkstoffe (Metronidazol, Ivermectin, Azelainsäure, Brimonidin gegen Rötungen). Bei mittlerer bis schwerer Form: orale Antibiotika (Doxycyclin) oder Isotretinoin. Teleangiektasien lassen sich mit Laser oder IPL gut behandeln.
Akne
Eine der häufigsten Hautkrankheiten überhaupt: bis zu 85 Prozent der Jugendlichen sind betroffen. Akne entsteht durch Überproduktion von Talg, Verstopfung der Talgdrüsen, Vermehrung des Bakteriums Cutibacterium acnes und entzündliche Reaktion. Lokalisation: hauptsächlich Gesicht, Brust und Rücken.
Formen: Akne comedonica (Mitesser), Akne papulopustulosa (entzündliche Knötchen und Eiterpickel), Akne conglobata (große Knoten, Abszesse, Narben).
Therapie:
- Mild: pflegende Reinigung, topische Retinoide (Adapalen), Benzoylperoxid, Salicylsäure
- Mittel: zusätzlich topisch Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin) oder orale Tetrazykline
- Schwer: Isotretinoin (Tabletten), nur unter strenger ärztlicher Kontrolle wegen ernster Nebenwirkungen
- Hormonelle Akne bei Frauen: ggf. anti-androgen wirksame Pille (Diane-35-Generation) oder Spironolacton
Wichtig: Mitesser nicht selbst ausdrücken – das fördert Narbenbildung. Beim Hautarzt: Comedonenausräumung oder professionelles Cleaning.
Pityriasis rosea (Rosenflechte)
Eine harmlose, vermutlich virusbedingte Hauterkrankung. Beginnt mit einem einzelnen großen Fleck ("Primärmedaillon"), gefolgt von vielen kleineren ovalen Schuppenflecken am Rumpf in tannenbaumartiger Anordnung. Dauert etwa 6–8 Wochen, heilt spontan. Keine spezifische Therapie nötig – bei starkem Juckreiz Antihistaminika.
Lichen ruber planus (Knötchenflechte)
Chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit kleinen, polygonalen, violetten, juckenden Knötchen, vor allem an Handgelenken, Unterarmen, Unterschenkeln und im Mundbereich (Mundschleimhaut-Lichen). Genaue Ursache unklar, möglicherweise immunologisch vermittelt. Therapie: topische Kortikosteroide, Lichttherapie, bei schweren Formen systemisch.
Mollusca contagiosa (Dellwarzen)
Virale Hauterkrankung mit kleinen, hautfarbenen, gedellten Knötchen, vor allem bei Kindern. Hochansteckend durch direkten Kontakt. Heilt meist spontan in Monaten bis Jahren. Bei kosmetischer Störung: Curettage, Cryotherapie, Wirkstoffe wie Kaliumhydroxid.
Hautjucken (Pruritus)
Juckreiz ohne sichtbare Hautveränderungen kann verschiedene Ursachen haben:
- Hauttrockenheit (besonders im Alter und im Winter)
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Eisenmangel
- Leber- und Gallenerkrankungen
- Nierenerkrankungen
- Hämatologische Erkrankungen: Polyzythämia vera, Lymphome (vor allem M. Hodgkin)
- Medikamentennebenwirkungen
- Psychischer Ursprung
Bei anhaltendem oder neu aufgetretenem Juckreiz ohne erklärlichen Hautbefund: ärztliche Abklärung.
Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)
Krankhafte Schweißbildung, vor allem an Händen, Füßen, Achseln oder am ganzen Körper. Beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Therapieoptionen:
- Antitranspirante mit Aluminiumchlorid (rezeptfrei oder hochdosiert auf Rezept)
- Iontophorese (Strombehandlung, vor allem an Händen und Füßen)
- Botox-Injektionen in die Achseln
- Orale Anticholinergika
- Mikrowellen-Behandlung (miraDry) oder Schweißdrüsen-Absaugung bei Achselhyperhidrose
Beratung in der Apotheke
Wir führen ein breites Sortiment an dermatologisch geprüften Pflegeprodukten, Pflastersystemen, Spezialcremes und Hilfsmitteln für Patienten mit chronischen Hauterkrankungen. Bei Neurodermitis, Psoriasis oder Akne beraten wir Sie individuell zu Produktauswahl, Anwendung und Pflege. Bei plötzlich auftretenden, unklaren oder ausgedehnten Hautveränderungen ist immer eine ärztliche Abklärung beim Dermatologen sinnvoll.
