Erkrankungen der Haare
Haarausfall: nicht jeder Haarverlust ist krankhaft
Pro Tag verlieren wir etwa 50 bis 100 Haare. Das ist völlig normal und Teil des natürlichen Haarwechsels. Erst wenn deutlich mehr Haare ausfallen oder die Haarpracht sichtbar lichter wird, sprechen Mediziner von einem krankhaften Haarausfall (Alopezie). Die Ursachen sind vielfältig und reichen von hormonellen Veränderungen über Nährstoffmängel bis zu Autoimmunerkrankungen. Eine genaue Diagnose ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.
Häufige Formen des Haarausfalls
Androgenetischer Haarausfall (erblich-hormoneller Haarausfall)
Die mit Abstand häufigste Form des Haarausfalls. Etwa 80 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Ursache ist eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem männlichen Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT), das die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Bei Männern zeigt sich der Verlust typisch als zurückweichende Geheimratsecken und Tonsur am Hinterkopf. Bei Frauen lichtet sich vor allem der Mittelscheitel.
Behandlung: Minoxidil (rezeptfrei) als Lösung oder Schaum für die Kopfhaut, Finasterid (rezeptpflichtig, nur Männer), bei Frauen ggf. Antiandrogene. Auch eine Haartransplantation kann eine Option sein.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Plötzlich auftretende, scharf begrenzte kreisrunde haarlose Stellen am Kopf, am Bart oder auch anderen behaarten Körperstellen. Ursache ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die eigenen Haarwurzeln an. Etwa 1–2 Prozent der Bevölkerung sind irgendwann im Leben betroffen, oft junge Erwachsene. Bei vielen Patienten wachsen die Haare innerhalb von Monaten spontan nach. In schweren Fällen kann es zum vollständigen Verlust aller Kopfhaare (Alopecia totalis) oder aller Körperhaare (Alopecia universalis) kommen.
Behandlung: Kortison-Salben oder -Injektionen, in schweren Fällen Immunmodulatoren (z. B. Ruxolitinib) oder JAK-Inhibitoren. Eine vollständige Heilung ist nicht garantiert.
Diffuser Haarausfall (Effluvium telogenum)
Bei dieser Form fallen Haare am gesamten Kopf gleichmäßig vermehrt aus – oft 200–400 pro Tag. Auslöser sind häufig:
- Eisenmangel (besonders bei Frauen) – lassen Sie den Ferritin-Spiegel prüfen
- Schilddrüsenfunktionsstörungen (Unter- und Überfunktion)
- Stress, schwere Erkrankungen, Operationen, hohes Fieber (zeitverzögert 2–3 Monate später)
- Hormonelle Umstellungen (Geburt, Wechseljahre, Absetzen der Pille)
- Medikamente (Chemotherapie, Betablocker, Antikoagulantien, Retinoide)
- Crash-Diäten, Mangelernährung
- Schwere Infektionen (z. B. nach COVID-19)
Behandlung: Ursache identifizieren und beheben. Eisen-, Vitamin- oder Mineralstoffmangel ausgleichen. Bei guter Behandlung erholt sich das Haarwachstum innerhalb von 6–12 Monaten.
Vernarbender Haarausfall (Alopecia cicatricans)
Bei dieser eher seltenen Form werden die Haarwurzeln durch entzündliche Prozesse oder Verletzungen dauerhaft zerstört. Die haarlosen Stellen bleiben permanent. Ursachen können sein: Lupus erythematodes, Lichen planus follicularis, Pilzinfektionen, Verbrennungen oder Trauma. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann das Fortschreiten stoppen, aber den Verlust nicht rückgängig machen.
Schuppen (Pityriasis simplex)
Trockene oder fettige Schuppen auf der Kopfhaut sind sehr häufig und meist harmlos. Sie entstehen durch eine beschleunigte Hautzellerneuerung. Bei fettigen Schuppen mit Juckreiz spielt oft der Hefepilz Malassezia furfur eine Rolle. Behandlung: spezielle Antischuppen-Shampoos mit Ketoconazol, Selendisulfid, Zinkpyrithion, Salicylsäure oder Climbazol. Bei hartnäckigen Beschwerden Dermatologen aufsuchen.
Seborrhoisches Ekzem der Kopfhaut
Schuppung mit gerötetem, juckendem Untergrund, oft auch an Augenbrauen, hinter den Ohren und an den Nasenflügeln. Eine chronische, schubweise verlaufende Hauterkrankung. Behandlung wie bei starken Schuppen mit antimykotischen Shampoos, in akuten Schüben kurzfristig Kortison-Lösungen.
Pilzinfektionen der Kopfhaut (Tinea capitis)
Vor allem bei Kindern: kreisrunde, schuppige Areale mit abgebrochenen Haarstümpfen. Ansteckend! Erfordert eine systemische Antipilztherapie (Tabletten) für mehrere Wochen, da Salben allein die Haarwurzel nicht erreichen.
Haarpflege bei Problemen
- Bei diffusem Haarausfall: mildes pH-neutrales Shampoo, sanfte Pflege, Haare nicht zu heiß föhnen
- Bei kreisrunder Alopezie: Stress reduzieren, ggf. psychologische Unterstützung suchen
- Bei Schuppen: konsequente Behandlung mit Antischuppen-Shampoo über mehrere Wochen, dann Erhaltungstherapie 1–2x pro Woche
- Bei androgenetischem Haarausfall: möglichst früh mit Minoxidil beginnen, ggf. systemische Therapie
- Allgemein: ausgewogene Ernährung, ausreichend Eiweiß, Zink, Biotin, Eisen, Vitamine
Wann zum Arzt?
- Plötzlicher, ungewöhnlich starker Haarausfall
- Kreisrunde haarlose Stellen
- Anhaltender Juckreiz oder Brennen der Kopfhaut
- Schmerzen, Pusteln oder Geschwüre auf der Kopfhaut
- Diffuses Ausdünnen über Monate
- Begleitsymptome wie Müdigkeit, Frieren, Gewichtsveränderung (Hinweis auf Schilddrüse oder Anämie)
Beratung in der Apotheke
Wir führen ein breites Sortiment an Haarpflege-Produkten und gegen Haarausfall:
- Minoxidil-Lösung und -Schaum in verschiedenen Konzentrationen
- Spezielle Shampoos gegen Haarausfall (Coffein, Pflanzenextrakte)
- Mikronährstoff-Präparate für gesunden Haarwuchs (Biotin, Zink, Eisen, Vitamin B-Komplex, Aminosäuren)
- Antischuppen-Shampoos
- Pflegeprodukte bei sensibler Kopfhaut
Bei verdächtigem Haarausfall sollten Sie aber immer auch eine ärztliche Abklärung suchen – wir helfen bei der Suche nach der richtigen Anlaufstelle (Hausarzt, Dermatologe, Endokrinologe).
