Gutartige und bösartige Hauttumoren


Tumoren der Haut sind außerordentlich häufig. Glücklicherweise ist die übergroße Mehrheit gutartig. Doch die bösartigen Hauttumoren – allen voran der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) und der heller Hautkrebs (Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom) – gehören zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen überhaupt und nehmen seit Jahren zu, vor allem wegen sich verändernder Lebens- und Freizeitgewohnheiten und vermehrter UV-Exposition.

Gutartige Hauttumoren

Pigmentnaevi (Muttermale, Leberflecke)

Muttermale sind Ansammlungen von pigmentbildenden Zellen (Melanozyten). Sie entstehen meist in der Kindheit und Jugend, können sich aber lebenslang neu bilden. Die meisten Erwachsenen haben zwischen 20 und 50 Muttermale. Wer mehr als 100 Muttermale hat, gilt als Risikoperson für Hautkrebs.

Typen:

  • Einfache Pigmentnaevi: gleichmäßig braun, rund, klein, scharf begrenzt
  • Dysplastische Naevi (atypische Naevi): unregelmäßig, größer, mehrfarbig – gelten als Risikomarker, sollten regelmäßig kontrolliert werden
  • Kongenitale Naevi: angeboren, oft größer; Risiko-Naevi sollten dauerhaft beobachtet werden
  • Halo-Naevi: heller Hof um das Muttermal (Immunreaktion); meist harmlos

Altersbedingte gutartige Tumoren

  • Seborrhoische Keratose (Alterswarze): warzenartige, braune bis schwarze, aufgesetzte Hautveränderungen, oft am Rumpf. Häufig im Alter ab 40. Komplett harmlos. Können bei kosmetischer Belastung mit Curettage, Vereisung oder Laser entfernt werden.
  • Lentigo simplex (Altersflecken, Lentigines): braune Flecken an sonnenexponierten Stellen. Können bei kosmetischer Belastung mit speziellen Cremes, IPL oder Laser aufgehellt werden.
  • Fibrome (Stielwarzen): kleine hautfarbene Hautwucherungen an Hals, Achseln, Leiste. Können bei Bedarf chirurgisch entfernt werden.
  • Lipome: gutartige Fettgewebsknoten unter der Haut. Selten Schmerzen; werden meist kosmetisch entfernt oder bei mechanischer Belastung.
  • Atherome (Grützbeutel): Talgdrüsenzysten, meist am Kopf oder Rücken. Bei Entzündung Inzision und Entfernung der Zystenwand.

Gefäßbedingte gutartige Tumoren

  • Hämangiome: Blutschwämmchen, oft bei Kindern. Im Säuglingsalter wachsen sie und bilden sich dann meist spontan zurück. Bei Beeinträchtigung Behandlung mit Beta-Blockern (Propranolol).
  • Senile Hämangiome (Rubinflecken): kleine rote Punkte an Rumpf und Armen. Häufig im Alter, völlig harmlos.
  • Spider-Naevi: sternförmige kleine Äderchen, meist im Gesicht. Können hormonell bedingt sein.

Bösartige Hauttumoren – Hautkrebs

Aktinische Keratose (Präkanzerose)

Vorläufer des Plattenepithelkarzinoms. Raue, schuppige, rote Stellen an sonnenexponierten Hautregionen (Glatze, Stirn, Nase, Wangen, Ohren, Handrücken, Unterarme). Unbehandelt kann sich aus ca. 10% ein Plattenepithelkarzinom entwickeln. Therapie: Curettage, Cryotherapie, photodynamische Therapie (PDT), Imiquimod-Creme, 5-Fluorouracil-Creme, Diclofenac-Gel. Konsequenter UV-Schutz unverzichtbar.

Basalzellkarzinom (Basaliom, weißer Hautkrebs)

Häufigster bösartiger Hauttumor überhaupt. Wächst lokal destruktiv, metastasiert aber äußerst selten. Lokalisationen: vor allem im Gesicht (Nase, Stirn, Wangen, Ohren), Hals, Brust, Rücken. Aussehen: perlmuttartiges Knötchen mit feinen Äderchen an der Oberfläche, oft mit zentraler Vertiefung oder Ulzeration. Manchmal flach narbig oder pigmentiert.

Therapie: chirurgische Exzision mit Sicherheitsabstand – Goldstandard. Bei kleinen, oberflächlichen Tumoren auch: Curettage mit Elektrokoagulation, Cryotherapie, topisch Imiquimod oder 5-Fluorouracil, PDT. Bei großen oder schwierig lokalisierten Tumoren: Strahlentherapie. Heilungsrate bei früher Behandlung > 95%.

Plattenepithelkarzinom (spinozelluläres Karzinom)

Zweithäufigster Hautkrebs. Entsteht oft aus aktinischen Keratosen. Lokalisationen: chronisch sonnenexponierte Haut, Lippen, Ohren, Unterarme, Handrücken, Genitalbereich. Aussehen: rauer, schuppiger, oft krustig oder ulzerierter Knoten, manchmal warzenartig.

Risiko: kann metastasieren, vor allem bei großen, tief invasiven Tumoren, an Lippen, Ohren oder bei immunsupprimierten Patienten (Organtransplantierte).

Therapie: chirurgische Exzision mit Sicherheitsabstand. Ggf. Wächterlymphknotenbiopsie. Bei Metastasen: Lymphadenektomie, Strahlentherapie, ggf. Immuntherapie (Cemiplimab).

Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)

Der gefährlichste Hautkrebs. Geht von Melanozyten aus, kann früh metastasieren, verantwortlich für den Großteil hautkrebsbedingter Todesfälle. Häufigkeit steigt deutlich. Lokalisationen: bei Frauen oft an den Beinen, bei Männern am Rücken – aber auch an Schleimhäuten, unter Nägeln, in der Aderhaut des Auges, sehr selten an Organen.

Die ABCDE-Regel zur Selbstkontrolle:

  • A – Asymmetrie: Das Muttermal ist asymmetrisch (eine Hälfte unterscheidet sich von der anderen)
  • B – Begrenzung: Unregelmäßige, unscharfe oder gezackte Ränder
  • C – Color (Farbe): Mehrere Farbtöne in einem Muttermal (verschiedene Brauntöne, schwarz, rot, weiß, blau)
  • D – Durchmesser: Größer als 5-6 mm
  • E – Evolution/Erhebung: Veränderung über Zeit (Größe, Form, Farbe, Erhebung), Juckreiz, Bluten

Bei einem oder mehreren dieser Kriterien: dringend Hautarzt-Termin!

Therapie: chirurgische Exzision mit definiertem Sicherheitsabstand (je nach Tumortiefe). Wächterlymphknotenbiopsie bei Tumoren ≥ 1mm. Im fortgeschrittenen Stadium: Immuncheckpoint-Inhibitoren (Pembrolizumab, Nivolumab, Ipilimumab), zielgerichtete Therapie bei BRAF-Mutationen (Vemurafenib, Dabrafenib + Trametinib). Die Therapie des Melanoms hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht – Patienten mit metastasiertem Melanom haben heute deutlich bessere Prognosen als noch vor 10 Jahren.

Seltene Hauttumoren

  • Kutanes Lymphom (Mycosis fungoides): Lymphomart in der Haut. Beginnt mit chronischen ekzemartigen Hautveränderungen, später Plaques und Tumoren. Therapie: PUVA, lokale Kortison, Steroide, Bexarotene, in fortgeschrittenen Stadien Chemo- und Immuntherapie.
  • Merkel-Zell-Karzinom: seltener, sehr aggressiver Tumor älterer Menschen. Lokalisation oft im Gesicht, am Hals oder an den Armen. Therapie: Exzision, Strahlentherapie, Immuntherapie (Avelumab).
  • Kaposi-Sarkom: rötlich-violette Hautflecken, klassisch bei Älteren, vor allem aber bei HIV-Patienten. Verursacht durch HHV-8 (Humanes Herpesvirus 8).
  • Hautmetastasen: z.B. bei Brustkrebs, Bronchialkrebs, Melanom anderer Lokalisation. Erfordern Diagnose und Therapie des Primärtumors.

Risikofaktoren für Hautkrebs

  • UV-Strahlung – durch Sonne und Solarium. Wichtigster vermeidbarer Risikofaktor
  • Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Melanomrisiko lebenslang
  • Heller Hauttyp (Typ I und II nach Fitzpatrick)
  • Mehr als 50 Muttermale, oder atypische Muttermale
  • Familiäre Belastung mit Hautkrebs
  • Berufliche Sonnenexposition (anerkannte Berufskrankheit für Plattenepithelkarzinom!)
  • Immunsuppression (Organtransplantierte, Aids)
  • Chronische Hautwunden oder Narben (Risiko für Plattenepithelkarzinom)

Hautkrebs-Vorsorge: Screening und Selbstkontrolle

Ab dem 35. Lebensjahr haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine Hautkrebs-Screening-Untersuchung beim Hautarzt alle 2 Jahre. Personen mit Risikofaktoren (viele Naevi, familiäre Belastung, ehemalige Hautkrebspatienten) sollten häufiger kontrolliert werden.

Zwischen den Arztterminen empfiehlt sich eine monatliche Selbstkontrolle:

  • Vor einem Ganzkörperspiegel den ganzen Körper systematisch absuchen
  • Hand- und Fußsohlen, Zehenzwischenräume, Nägel, Genitalbereich, Kopfhaut nicht vergessen
  • Schwer einsehbare Stellen (Rücken, Po) mit zweitem Spiegel oder durch Partner inspizieren
  • Veränderungen (Größe, Farbe, Form, neue Muttermale, juckende oder blutende Stellen) sofort dem Hautarzt zeigen

UV-Schutz in der Apotheke

Konsequenter UV-Schutz ist die wichtigste primäre Vorbeugung. Wir beraten Sie zu:

  • Sonnenschutzcremes mit hohem oder sehr hohem Schutzfaktor (LSF 30, 50+)
  • Produkten mit chemischen und/oder mineralischen Filtern
  • Spezialprodukten für sensible Haut, Babys, Kinder, Allergiker
  • Sonnenschutz speziell für die Lippen (LSF 30+)
  • UV-Schutzkleidung mit UPF-Schutzfaktor
  • Aftersun-Pflege
  • Produkten für Patienten unter photosensibilisierender Therapie

Hautkrebs-Vorsorge

Wir beraten Sie zu UV-Schutz und Selbstkontrolle.

02631/7 19 30