Infektionen und Parasitenerkrankungen der Haut
Bakterielle Hautinfektionen
Impetigo contagiosa (Grindflechte)
Hochansteckende bakterielle Hautinfektion durch Staphylokokken oder Streptokokken, vor allem bei Kindern. Beginnt mit Blasen, die rasch platzen und gelblich-honigfarbene Krusten bilden. Lokalisation oft im Gesicht (Nase, Mund). Therapie: lokale Antibiotika-Salben (Mupirocin), bei Ausdehnung oral. Hygiene wichtig (Kontaktansteckung).
Furunkel und Karbunkel
Eiterfüllte Knoten ausgehend vom Haarbalg. Furunkel: einzeln. Karbunkel: mehrere benachbarte verschmolzene Furunkel. Therapie: Warmkompressen, ggf. ärztliche Inzision und Antibiotika.
Erysipel (Wundrose) und Phlegmone
Akute bakterielle Hautinfektion durch Streptokokken oder Staphylokokken. Erysipel: scharf begrenzte, hochrote, schmerzhafte, oft glänzende Hautrötung mit Fieber und Lymphknotenschwellung. Phlegmone: tiefer reichende, unscharf begrenzte Infektion. Beide gehören in ärztliche Behandlung mit Antibiotika.
MRSA-Infektionen
Multiresistenter Staphylococcus aureus – gefürchteter Krankenhauskeim, auch ambulant zunehmend. Erfordert spezielle Antibiotika nach Resistenztestung.
Virale Hautinfektionen
Herpes simplex
Häufige Virusinfektion, zwei Typen: HSV-1 (typisch Lippenherpes) und HSV-2 (genitale Form). Symptome: schmerzhafte gruppierte Bläschen auf gerötetem Grund, klassisch wiederkehrend bei Auslösern (Sonne, Stress, Menstruation, Infekt). Therapie: lokale Aciclovir-Cremes (Zovirax), bei häufigen oder schweren Schüben oral Aciclovir/Valaciclovir/Famciclovir. Patchen (Compeed Lippenherpes-Patch) im akuten Stadium effektiv.
Windpocken (Varizellen)
Erstinfektion mit Varicella-Zoster-Virus, typische Kinderkrankheit mit juckendem Ausschlag (Flecken, Bläschen, Krusten gleichzeitig sichtbar – "Sternenhimmel"). Bei Erwachsenen oft schwerer Verlauf. Vermeiden Sie Aspirin (Reye-Syndrom!). Impfung möglich.
Gürtelrose (Herpes zoster)
Reaktivierung des Varizella-Virus, das nach den Windpocken in den Nervenwurzeln schlummert. Schmerzhaft, einseitig, im Versorgungsgebiet eines Nervens. Gefürchtet: postherpetische Neuralgie (lang anhaltende Schmerzen). Therapie: möglichst innerhalb von 72 Stunden mit Virostatika (Aciclovir, Brivudin, Famciclovir). STIKO empfiehlt Impfung ab 60 Jahre (Shingrix).
Warzen (Verrucae)
Durch humane Papillomviren (HPV) verursacht. Typen:
- Gemeine Warze (Verruca vulgaris) – an Händen und Fingern
- Dornwarze (Verruca plantaris) – an den Fußsohlen, kann schmerzhaft sein
- Flachwarzen (Verruca plana) – bei Jugendlichen, multipel im Gesicht
- Feigwarzen (Condylomata acuminata) – im Genitalbereich, sexuell übertragen
Therapie: Salicylsäure-Pflaster, Vereisung (Cryotherapie), Laser, in hartnäckigen Fällen chirurgische Entfernung. Bei Feigwarzen: spezielle Cremes (Imiquimod) oder ärztliche Behandlung.
Dellwarzen (Mollusca contagiosa)
Virusinfektion mit kleinen, hautfarbenen, gedellten Knötchen, vor allem bei Kindern. Heilt meist spontan, kann aber ansteckend sein. Bei kosmetischer Belastung: Curettage beim Hautarzt.
Pilzinfektionen der Haut
Tinea pedis (Fußpilz)
Häufigste Pilzerkrankung. Symptome: Juckreiz, Rötung, Schuppung, Mazeration zwischen den Zehen, Bläschen an der Fußsohle, oder Hyperkeratose (verdickte Hornhaut). Therapie: lokale Antimykotika (Terbinafin, Clotrimazol, Ciclopirox) als Creme/Spray/Lösung über 2-4 Wochen. Hygiene: Schuhe wechseln, atmungsaktive Strümpfe, Antipilzpuder, ggf. Schuhe desinfizieren.
Nagelpilz (Onychomykose)
Verfärbung, Verdickung und Bröckeligwerden der Nägel, meist an Zehnägeln. Schwer behandelbar wegen langsamen Nagelwachstums. Therapie: Antimykotische Nagellacke (Amorolfin, Ciclopirox) bei leichten Formen. Bei schwerer Beteiligung: orale Therapie mit Terbinafin oder Itraconazol über 3-6 Monate.
Tinea corporis (Pilz der freien Haut)
Kreisrunde, randbetonte Hautläsionen, oft am Körperstamm. Übertragung von Tieren (Tinea corporis genannt), anderen Menschen oder durch eigene Übertragung von einer anderen Stelle. Therapie: antimykotische Cremes.
Pityriasis versicolor (Kleieflechte)
Pilzinfektion durch Malassezia mit hellen oder bräunlichen, fein schuppenden Flecken, vor allem am Oberkörper. Tritt häufig in den Sommermonaten auf. Therapie: antimykotische Shampoos (Ketoconazol, Selendisulfid), Sonneneinstrahlung der entpigmentierten Stellen über Monate, ggf. orale Therapie.
Candida (Soor)
Hefepilzinfektion durch Candida albicans. Lokalisationen:
- Mundsoor (besonders bei Säuglingen, Antibiotika-Therapie, immungeschwächten)
- Vaginale Candidose (sehr häufig)
- Windel-/Intertrigo-Candidose (in Hautfalten bei Übergewicht oder Diabetes)
- Nagelfalzentzündung (bei "Nass-Berufen": Friseure, Pflegekräfte)
Therapie: lokale Antimykotika, bei Mundsoor Nystatin oder Miconazol.
Parasitenerkrankungen der Haut
Skabies (Krätze)
Hochansteckende Hautkrankheit durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei). Symptome: heftiger Juckreiz, der nachts schlimmer wird, Hautausschlag mit kleinen Knötchen, Bläschen und unregelmäßigen "Gängen" (Milbengänge), vor allem in Hautfalten, zwischen den Fingern, am Handgelenk, Bauchnabel, in der Achselhöhle, im Genitalbereich. Bei kleinen Kindern auch im Gesicht. Übertragung durch engen Hautkontakt (Familie, Sex, Pflege).
Therapie: Topisch Permethrin 5% (Infectoscab) auf den ganzen Körper auftragen, 8-12 Stunden einwirken lassen, abwaschen. Wiederholung nach 1-2 Wochen. Bei schweren oder atypischen Fällen oral Ivermectin. Wäsche und Bettwäsche bei mindestens 60°C waschen, oder 7 Tage in geschlossenem Beutel lagern. Mit-/Familienkontaktpersonen ebenfalls behandeln.
Kopfläuse
Sehr häufig bei Kindern, übertragen durch direkten Kopfkontakt. Symptome: Juckreiz, kleine Bissstellen am Hinterkopf und Nacken, sichtbare Nissen (Eier) an den Haaren. Therapie: Anti-Läuse-Shampoos (Dimeticon-Präparate sind heute Standard, wirken physikalisch durch Erstickung; Permethrin als Alternative). Wiederholung nach 7-10 Tagen. Nissen mit Nissenkamm und Essig-Wasser-Spülung entfernen.
Filzläuse (Schamläuse)
Im Schamhaar, sexuell übertragen. Therapie: Rasur und/oder Anti-Läusemittel.
Flöhe
Meist von Haustieren übertragen. Stiche typischerweise an den Beinen, in Dreierreihen. Therapie: das Haustier behandeln (Tierarzt), Wohnung gründlich saugen, Insektizide.
Bettwanzen
Zunehmend wieder häufig, auch in Hotels und Wohnungen. Stiche meist morgens entdeckt, an unbedeckten Körperstellen, oft in Reihen. Therapie der Person: Antihistaminika gegen Juckreiz. Bekämpfung der Wanzen: professioneller Schädlingsbekämpfer nötig.
Mückenstiche und Zeckenbisse
Bei Mücken: meist harmlose lokale Reaktion. Antihistaminika, kühlende Gels (Fenistil). Bei Zecken: Zecke sofort vollständig mit feiner Pinzette nahe an der Haut greifen und gerade herausziehen. Nicht drehen, nicht mit Öl/Klebstoff. Auf Erythema migrans (Borreliose) und Grippesymptome (FSME) achten. FSME-Impfung in Risikogebieten empfohlen.
Beratung in der Apotheke
Wir führen ein vollständiges Sortiment an:
- Antimykotika (Cremes, Sprays, Pulver, Nagellacke)
- Anti-Läuse-Produkte (Dimeticon, Permethrin)
- Anti-Krätze-Behandlung (Permethrin auf Rezept)
- Lippenherpes-Pflaster und -Cremes
- Warzenmittel (Salicylsäure, Vereisungssets)
- Insektenstich-Produkte (Antihistaminika lokal/oral, kühlende Gels)
- Repellentien (Mücken, Zecken)
