Hintergrundwissen Haut, Haare und Nägel
Die Haut: unser größtes Organ
Die Haut ist mit einer Fläche von 1,5 bis 2 Quadratmetern und einem Gewicht von 10 bis 14 Kilogramm das größte und schwerste Organ des Menschen. Sie ist mehr als eine bloße Hülle: Die Haut ist ein hochkomplexes Sinnesorgan, eine Schutzbarriere gegen Krankheitserreger, ein Stoffwechselorgan und ein bedeutender Teil des Immunsystems. In der dermatologischen Praxis und in unserer Apotheke begegnen uns täglich Beschwerden rund um Haut, Haare und Nägel – von trockener Haut über Neurodermitis bis hin zu schweren Hauterkrankungen.
Der Aufbau der Haut
Die Haut besteht aus drei Hauptschichten:
1. Oberhaut (Epidermis)
Die äußerste Schicht ist nur etwa 0,03 bis 4 Millimeter dick (am dicksten an den Fußsohlen) und besteht überwiegend aus Hornzellen (Keratinozyten). Die Oberhaut erneuert sich kontinuierlich: Unten in der Basalschicht teilen sich Zellen, wandern nach oben, verhornen und werden schließlich als Schuppen abgestoßen. Dieser Prozess dauert etwa 28 Tage. In der Oberhaut finden sich auch:
- Melanozyten – produzieren das Pigment Melanin, das die Haut vor UV-Strahlung schützt und für die Hautfarbe verantwortlich ist
- Langerhans-Zellen – Teil des Immunsystems, präsentieren Krankheitserregern dem Immunsystem
- Merkel-Zellen – Druck- und Berührungsrezeptoren
2. Lederhaut (Dermis)
Die Lederhaut ist die mittlere, mit etwa 2 bis 4 Millimeter Dicke deutlich dickere Schicht. Sie enthält:
- Kollagen- und Elastinfasern – geben der Haut Stabilität und Elastizität
- Blutgefäße – versorgen die Haut, regulieren die Körpertemperatur
- Nerven mit verschiedenen Rezeptoren für Druck, Vibration, Temperatur und Schmerz
- Talg- und Schweißdrüsen – bilden den Säureschutzmantel der Haut
- Haarwurzeln mit Haarbalgmuskeln (Gänsehaut-Effekt)
- Immunzellen – Bestandteil der Hautimmunabwehr
3. Unterhaut (Subcutis)
Die unterste Schicht besteht hauptsächlich aus Fettgewebe und dient als Wärmeisolation, Stoßdämpfer und Energiespeicher. Hier verlaufen auch größere Blutgefäße und Nerven.
Die wichtigsten Funktionen der Haut
- Schutz vor mechanischen Verletzungen, UV-Strahlung, Hitze, Kälte, Chemikalien und Krankheitserregern
- Barriere gegen Wasserverlust und das Eindringen von Schadstoffen
- Wahrnehmung über Tastsinn, Druck-, Schmerz-, Temperatur- und Vibrationssensoren
- Thermoregulation durch Schwitzen und Hautdurchblutung
- Immunabwehr durch verschiedene Hautzellen
- Stoffwechsel: Bildung von Vitamin D unter Sonneneinstrahlung
- Kommunikation über Gesichtsausdruck, Erröten, Schwitzen
Die Haare
Wir haben etwa 5 Millionen Haare auf unserem Körper, davon etwa 100.000 auf dem Kopf. Jedes Haar entspringt einem Haarfollikel in der Lederhaut. Es besteht aus toten, verhornten Zellen und wird hauptsächlich aus dem Eiweiß Keratin gebildet. Drei Phasen kennzeichnen den Haarwuchs:
- Anagenphase (Wachstumsphase) – 2 bis 6 Jahre, das Haar wächst etwa 1 cm pro Monat
- Katagenphase (Übergangsphase) – 1 bis 2 Wochen, das Wachstum stoppt
- Telogenphase (Ruhephase) – 2 bis 4 Monate, das Haar löst sich und fällt aus
Pro Tag verlieren wir etwa 50 bis 100 Haare – das ist normal. Krankhafter Haarausfall (mehr als 100 Haare pro Tag über längere Zeit) hat viele mögliche Ursachen: hormonelle Veränderungen, Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, Stress, Medikamente, kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) oder der häufige androgenetische Haarausfall.
Die Nägel
Finger- und Fußnägel sind ebenfalls verhornte Hautanhangsgebilde. Sie schützen die empfindlichen Finger- und Zehenkuppen und helfen beim Greifen. Ein Fingernagel wächst etwa 0,5 bis 1,2 mm pro Woche, ein Fußnagel etwa halb so schnell. Veränderungen der Nägel können wichtige Hinweise auf Erkrankungen geben:
- Längsrillen – häufig altersbedingt, meist harmlos
- Querrillen (Beau-Linien) – Hinweis auf vorangegangene schwere Erkrankung, Medikamenten- oder Chemotherapie
- Weißliche Flecken – meist harmlose Lufteinschlüsse durch kleine Verletzungen
- Verdickte, gelbliche Nägel – Nagelpilz (Onychomykose)
- Löffel- oder Uhrglasform – Hinweis auf Eisenmangel oder chronische Erkrankungen
- Trommelschlegelfinger – bei chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen
- Splitterblutungen – Hinweis auf Endokarditis oder Vaskulitis
Hautpflege: weniger ist oft mehr
Die Basis gesunder Haut ist eine angepasste, nicht zu aggressive Pflege:
- Reinigung: Maximal einmal täglich mit einer milden, hautneutralen Waschlotion. Heißes Wasser meiden – lauwarmes Wasser ist besser.
- Feuchtigkeit: Nach jeder Reinigung die Haut eincremen, besonders Hände und Gesicht. Bei trockener Haut Produkte mit Urea, Glycerin, Hyaluronsäure oder Lipiden bevorzugen.
- Sonnenschutz: Im Gesicht ganzjährig SPF 30 oder höher. UV-Strahlung ist der wichtigste Risikofaktor für Hautkrebs und Hautalterung.
- Spezielle Bedürfnisse beachten: Bei Akne, Neurodermitis, Rosazea oder anderen Hauterkrankungen die individuell angepasste Pflege wählen – wir beraten Sie gerne.
Beratung in der Apotheke
Die Rathaus-Apotheke führt ein breites Sortiment an dermatologisch geprüften Pflegeprodukten: Avène, Eucerin, La Roche-Posay, Bioderma, Eubos, Linola, Frei, Physiogel, Olivenölpflege (Medipharma) und viele mehr. Wir beraten Sie zu Ihrem individuellen Hauttyp, helfen bei Pflegeproblemen, empfehlen wirksame Produkte bei Hauterkrankungen und stellen bei Bedarf auch individuelle Rezepturen her (z. B. Salbenmischungen nach ärztlicher Verordnung). Sprechen Sie uns an – Hautgesundheit ist eines unserer Spezialgebiete.
