Hintergrundwissen Krebs
Was ist Krebs?
Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern der Oberbegriff für mehr als 200 verschiedene Erkrankungen. Allen gemeinsam ist, dass Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich vermehren und in benachbartes Gewebe eindringen. In fortgeschrittenen Stadien können sich Krebszellen über Blutbahn und Lymphsystem im ganzen Körper ausbreiten und in entfernten Organen neue Tumoren bilden (Metastasen).
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 500.000 Menschen neu an Krebs, etwa 230.000 sterben jährlich daran. Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Gleichzeitig haben die Heilungschancen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen: Bei vielen Krebsarten überlebt heute mehr als die Hälfte der Patienten die ersten fünf Jahre nach Diagnose, oft auch dauerhaft.
Wie entsteht Krebs?
Krebs entsteht durch Veränderungen (Mutationen) im Erbgut von Körperzellen. Diese Mutationen können sich im Laufe des Lebens ansammeln und betreffen typischerweise:
- Onkogene – Gene, die das Zellwachstum fördern. Werden sie überaktiv, kommt es zu unkontrollierter Zellteilung.
- Tumorsuppressorgene – Gene, die das Wachstum bremsen oder fehlerhafte Zellen in den programmierten Zelltod (Apoptose) schicken. Werden sie ausgeschaltet, entfällt diese Bremsfunktion.
- DNA-Reparaturgene – sorgen dafür, dass Schäden im Erbgut behoben werden. Bei Defekten häufen sich weitere Mutationen.
Für die Entstehung eines Tumors müssen meist mehrere solcher Mutationen zusammenkommen. Das erklärt, warum Krebs in der Regel ein langsamer Prozess ist, der oft viele Jahre oder Jahrzehnte dauert.
Häufigste Krebsarten in Deutschland
Bei Frauen
- Brustkrebs (Mammakarzinom) – etwa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr
- Darmkrebs (kolorektales Karzinom) – etwa 25.000
- Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) – etwa 20.000
- Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom)
- Schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom)
Bei Männern
- Prostatakrebs – etwa 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr
- Lungenkrebs – etwa 35.000
- Darmkrebs – etwa 30.000
- Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom)
- Schwarzer Hautkrebs
Risikofaktoren
Etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen wäre durch konsequente Vermeidung bekannter Risikofaktoren vermeidbar:
- Rauchen – verantwortlich für etwa 25-30 Prozent aller Krebs-Todesfälle, vor allem Lungenkrebs, aber auch Mund-, Rachen-, Speiseröhren-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Blasen- und Nierenkrebs
- Alkohol – erhöht das Risiko für Mund-, Rachen-, Speiseröhren-, Leber- und Brustkrebs
- Übergewicht und Bewegungsmangel – erhöhen das Risiko für Darm-, Brust- und Gebärmutterkörperkrebs
- UV-Strahlung – Hautkrebs (heller und schwarzer Hautkrebs)
- Strahlung (ionisierend, etwa Röntgen, Radon) – verschiedene Krebsarten
- Bestimmte Chemikalien (Asbest, Benzol, Vinylchlorid)
- Bestimmte Viren (HPV bei Gebärmutterhalskrebs, Hepatitis B/C bei Leberkrebs, EBV bei Burkitt-Lymphom)
- Hormone – Östrogene können das Brust- und Gebärmutterkörperkrebs-Risiko erhöhen
- Genetische Prädisposition – etwa BRCA1/2-Mutationen bei Brust- und Eierstockkrebs
- Alter – der wichtigste nicht beeinflussbare Faktor, da sich Mutationen im Laufe des Lebens ansammeln
Krebsvorsorge: nutzen Sie sie!
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen eine Reihe von Krebsvorsorgeuntersuchungen, die nachweislich Leben retten:
- Gebärmutterhalskrebs: Pap-Abstrich + HPV-Test ab 35 Jahre alle 3 Jahre (jährlich Pap zwischen 20-34)
- Brustkrebs: Tastuntersuchung ab 30 jährlich; Mammographie-Screening 50-75 Jahre alle 2 Jahre
- Hautkrebs: Ganzkörper-Hautuntersuchung ab 35 alle 2 Jahre
- Darmkrebs: Stuhltest auf Blut jährlich ab 50; Vorsorge-Koloskopie ab 55 (alle 10 Jahre)
- Prostatakrebs: Tastuntersuchung ab 45 jährlich; PSA-Test als IGeL-Leistung möglich
Diagnostik
Die moderne Krebsdiagnostik nutzt vielfältige Verfahren:
- Tumormarker im Blut – weisen auf bestimmte Krebsarten hin (z. B. PSA bei Prostatakrebs, CA 125 bei Eierstockkrebs)
- Bildgebung: Ultraschall, Mammographie, Röntgen, CT, MRT, PET-CT
- Endoskopie: Magen-, Darm-, Blasen-, Bronchialspiegelung
- Biopsie – die histologische Untersuchung einer Gewebeprobe ist meist die einzige sichere Methode der Krebsdiagnose
- Molekulargenetische Tests – werden zunehmend wichtig für die Therapieentscheidung (z. B. EGFR, BRAF, HER2)
Behandlungsmöglichkeiten
Die Krebstherapie ist in den letzten Jahrzehnten enorm vielfältiger geworden. Die wichtigsten Säulen sind:
- Operation – bei lokal begrenzten Tumoren oft die wichtigste kurative Maßnahme
- Strahlentherapie – gezielte Bestrahlung des Tumors, allein oder kombiniert mit OP/Chemo
- Chemotherapie – klassisch zellteilungshemmend, wirkt systemisch
- Hormontherapie – bei hormonsensitiven Tumoren (Brust-, Prostatakrebs)
- Zielgerichtete Therapie (Targeted Therapy) – Wirkstoffe greifen gezielt in spezifische molekulare Veränderungen ein (z. B. Trastuzumab bei HER2-positivem Brustkrebs)
- Immuntherapie – "befreit" das körpereigene Immunsystem zur Tumorabwehr (Checkpoint-Inhibitoren, CAR-T-Zellen)
- Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – modernste Variante der zielgerichteten Therapie
- Palliative Therapie – Symptomlinderung und Lebensqualität bei nicht heilbarer Erkrankung
Beratung in der Apotheke
Bei einer Krebserkrankung ist die Apotheke ein wichtiger Begleiter neben Ärzten und Pflegekräften. Wir beraten Sie zu:
- Nebenwirkungen der Chemotherapie (Übelkeit, Erbrechen, Mundschleimhaut-Entzündung, Haut- und Nagelpflege)
- Spezielle Pflegeprodukte für die strapazierte Haut
- Geeignete Schmerzmedikation (in Absprache mit Ihrem Onkologen)
- Komplementäre Therapieansätze (Mistel, Selen, Omega-3 etc.) – immer unter Vorbehalt der ärztlichen Zustimmung, weil Wechselwirkungen mit der laufenden Therapie möglich sind
- Ernährungsberatung bei Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Mangelernährung
- Hilfsmittel (Bandagen, Kompressionsversorgung, Kopfbedeckungen, Perücken-Verordnung)
- Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in der Region
Bei Krebserkrankungen sind die Beratungsgespräche oft auch emotional fordernd – sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen. Wir nehmen uns Zeit, hören zu und behandeln alle Informationen mit absoluter Diskretion. Sprechen Sie uns einfach an – auch wenn Sie sich noch nicht entschieden haben, ob und wie Sie uns einbinden möchten.
