Erkrankungen des Bluts


Anämie (Blutarmut)

Bei einer Anämie ist die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Blut zu niedrig. Die Folge: Der Sauerstofftransport zu den Zellen ist eingeschränkt. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen, Blässe von Haut und Schleimhäuten, Atemnot bei Belastung, Herzklopfen und Schwindel. Anämien sind weltweit eine der häufigsten Erkrankungen – mehr als 1,5 Milliarden Menschen sind betroffen.

Eisenmangelanämie

Die mit Abstand häufigste Form der Anämie. Eisen ist Bestandteil des Hämoglobins; bei Mangel produziert der Körper kleinere, blassere Erythrozyten (mikrozytäre, hypochrome Anämie). Ursachen sind:

  • Erhöhter Bedarf – in Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstumsphasen
  • Blutverlust – bei starker Menstruation, Geburten, Operationen, Verletzungen
  • Chronische versteckte Blutung – im Magen-Darm-Trakt (z. B. Magengeschwür, Darmkrebs, Hämorrhoiden)
  • Mangelnde Zufuhr – bei einseitiger Ernährung, vegetarischer oder veganer Kost
  • Resorptionsstörung – bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie, nach Magen-OP, Helicobacter-pylori-Infektion

Diagnose: Niedriges Hämoglobin und Ferritin, oft erniedrigtes MCV (mittleres Erythrozytenvolumen). Bei unklaren Fällen Suche nach Blutungsquellen (Darmspiegelung, Magenspiegelung).

Therapie: Orales Eisen (z. B. Eisen(II)-sulfat oder -gluconat) als Tablette, idealerweise nüchtern mit Vitamin-C-haltigem Getränk. Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, dunkler Stuhl, Verstopfung. In schweren Fällen oder bei Unverträglichkeit Eisen-Infusionen. Therapiedauer mindestens 3 Monate. Zusätzlich: eisenreiche Lebensmittel (rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorn).

Vitamin-B12-Mangelanämie (perniziöse Anämie)

Vitamin B12 wird zur Bildung roter Blutkörperchen benötigt. Mangel entsteht durch fehlende Aufnahme (atrophische Gastritis, fehlender Intrinsic Factor, Magen-OP), unzureichende Zufuhr (vegane Ernährung ohne Supplemente), Medikamente (Protonenpumpenhemmer, Metformin) oder Resorptionsstörungen. Folge: makrozytäre Anämie mit großen roten Blutkörperchen, oft begleitet von neurologischen Symptomen (Kribbeln in Händen/Füßen, Gangstörungen, Depression, Demenz).

Therapie: Intramuskuläre B12-Injektionen oder hochdosierte orale Substitution.

Folsäuremangelanämie

Auch Folsäuremangel führt zur makrozytären Anämie. Häufig bei Alkoholmissbrauch, bei Schwangerschaft (ohne Substitution), bei Medikamenten (Methotrexat, Sulfasalazin) oder bei Magen-Darm-Erkrankungen. Therapie: orale Folsäure-Substitution.

Renale Anämie

Bei chronischer Niereninsuffizienz produzieren die Nieren zu wenig Erythropoetin – das Hormon, das die Erythrozytenbildung im Knochenmark steuert. Therapie: synthetisches Erythropoetin (rekombinantes Epo) als Spritze.

Hämolytische Anämien

Hier werden die roten Blutkörperchen vorzeitig zerstört. Ursachen: angeborene Erkrankungen (Kugelzellanämie, Sichelzellanämie, Thalassämie), Autoimmunreaktionen, Medikamente, Infektionen, mechanischer Stress (z. B. an künstlichen Herzklappen).

Aplastische Anämie

Das Knochenmark stellt die Blutbildung weitgehend ein. Sehr seltene Erkrankung. Therapie: immunsuppressive Therapie oder Stammzelltransplantation.

Polyglobulie (zu viele rote Blutkörperchen)

Das Gegenteil der Anämie: zu viele Erythrozyten und ein zu hoher Hämoglobinwert. Folge: zähflüssigeres Blut, erhöhtes Thromboserisiko. Man unterscheidet:

  • Sekundäre Polyglobulie – reaktiv bei Sauerstoffmangel (Höhenexposition, Raucher, chronische Lungen- oder Herzkrankheit)
  • Polycythaemia vera – eine bösartige Knochenmark-Erkrankung (myeloproliferative Neoplasie), die regelmäßiger ärztlicher Kontrolle bedarf

Erkrankungen der weißen Blutkörperchen

Leukozytose (Vermehrung) – meist bei Entzündungen oder Infektionen, kann aber auch auf Leukämie hindeuten. Leukopenie (Verminderung) – durch Medikamente (Chemo, manche Antibiotika), Virus-Infektionen oder Knochenmark-Erkrankungen. Bei stark erniedrigten Granulozyten (Neutropenie unter 500/µl) besteht erhöhte Infektionsgefahr – ärztliche Kontrolle dringend nötig.

Thrombozytopenie (zu wenig Blutplättchen)

Zu niedrige Thrombozytenzahl erhöht die Blutungsneigung. Ursachen: Autoimmunerkrankungen (ITP), Medikamente (Heparin, manche Antibiotika), Virusinfektionen, Knochenmark-Erkrankungen. Symptome: Nasenbluten, Zahnfleischbluten, kleine Hautblutungen (Petechien), blaue Flecken ohne Verletzung. Bei Thrombozytenzahl unter 30.000/µl: erhöhte Blutungsgefahr; bei unter 10.000/µl: lebensbedrohlich.

Gerinnungsstörungen

Hämophilie (Bluterkrankheit)

Erbliche Gerinnungsstörung. Hämophilie A (Faktor-VIII-Mangel) und Hämophilie B (Faktor-IX-Mangel) sind X-chromosomal rezessiv vererbt – betroffen sind fast nur Männer. Schon kleine Verletzungen können zu starken Blutungen führen, vor allem in Gelenken (Hämarthrosen). Therapie: lebenslange Substitution der fehlenden Gerinnungsfaktoren.

Von-Willebrand-Syndrom

Die häufigste angeborene Blutungsneigung (etwa 1 Prozent der Bevölkerung), oft sehr mild. Verursacht erhöhte Blutungsneigung (besonders Nasenbluten, lange Menstruation).

Thromboseneigung (Thrombophilie)

Erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel. Häufige Formen: Faktor-V-Leiden-Mutation, Prothrombin-Mutation, Protein-C- oder Protein-S-Mangel. Auch erworbene Thromboseneigung durch das Antiphospholipid-Syndrom. Therapie: bei aktivem Thromboserisiko Antikoagulantien.

Beratung in der Apotheke

  • Eisenpräparate – verschiedene Formen (Sulfat, Gluconat, Bisglycinat, Aminosäurenchelate) mit unterschiedlicher Verträglichkeit
  • Vitamin-B12-Präparate (Sublingual-Tabletten, Tropfen, hochdosierte Tabletten)
  • Folsäure – besonders wichtig in der Schwangerschaft
  • Interaktionsprüfung bei Blutverdünnern (Marcumar, NOAKs, ASS, Clopidogrel)
  • Hilfsmittel bei häufigem Nasenbluten (Nasenpflaster, Sprays)
  • Pflaster und Verbandmaterial bei Blutungsneigung

Eisenmangel-Beratung

Verschiedene Präparate verglichen.

02631/7 19 30