Erkrankungen der Venen


Die Venen führen das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Da das Blut entgegen der Schwerkraft transportiert werden muss, sind die Beinvenen besonders auf die Funktion der Venenklappen und die Muskelpumpe angewiesen. Venenerkrankungen gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten in Deutschland – etwa die Hälfte der Erwachsenen ist betroffen. Frühzeitige Diagnose und Therapie verhindern Komplikationen.

Anatomie und Funktion der Venen

Im venösen System unterscheiden wir das tiefe Venensystem (innerhalb der Muskeln), das oberflächliche Venensystem (in der Subkutis) und die Verbindungsvenen (Perforansvenen). Venenklappen verhindern den Rückfluss des Blutes nach unten. Die Muskelpumpe (vor allem die Wadenmuskulatur) treibt das Blut nach oben. Bei Klappendefekten oder Muskelpumpenschwäche staut sich Blut, der Druck in den Venen steigt – es entstehen Krampfadern und venöse Insuffizienz.

Krampfadern (Varikose)

Definition und Klassifikation

Krampfadern sind krankhaft erweiterte, geschlängelte Venen. Klassifikation:

  • Besenreiser: oberflächliche, dünne Hautvenen (rote oder blaue Verästelungen)
  • Retikuläre Varizen: netzartig erweiterte Hautvenen
  • Seitenastvarizen: Erweiterungen der Seitenäste der Stammvenen
  • Stammvarikose: Erweiterung der V. saphena magna (innen am Bein) oder V. saphena parva (Wade)
  • Perforansvarikose: Insuffizienz der Verbindungsvenen

Ursachen und Risikofaktoren

  • Familiäre Belastung (genetische Bindegewebsschwäche)
  • Weibliches Geschlecht (Frauen 2-3× häufiger als Männer)
  • Mehrere Schwangerschaften (Hormone, mechanischer Druck)
  • Stehende oder sitzende Tätigkeit (Lehrer, Friseure, Verkäufer, Büroangestellte)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Alter
  • Hormonelle Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie

Symptome

  • Sichtbar erweiterte, hervortretende Venen
  • Schweregefühl, Spannungsgefühl, Müdigkeit der Beine (vor allem abends)
  • Schmerzen, Krämpfe, "unruhige Beine"
  • Juckreiz im Bereich der Krampfadern
  • Schwellungen an den Knöcheln, zunehmend im Laufe des Tages
  • Beschwerden bessern sich durch Hochlagern, kühles Wasser, Bewegung
  • Beschwerden verschlimmern sich bei Wärme, langem Stehen, abends

Diagnose

  • Anamnese und körperliche Untersuchung im Stehen
  • Duplex-Sonographie (Standard zur Beurteilung von Klappenfunktion und Venenfluss)
  • Lichtreflexrheographie
  • Phlebographie (selten, nur bei besonderen Fragestellungen)

Therapie

Konservative Therapie:

  • Kompressionsstrümpfe (Klasse I-III, je nach Schweregrad) – tragen die ganze Wachsamkeit
  • Bewegung: Gehen, Schwimmen, Radfahren stärken die Muskelpumpe
  • Hochlagern der Beine in Ruhephasen
  • Kühle Anwendungen: Kneipp-Güsse, Wechselbäder
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Vermeiden von zu engen Schuhen mit hohen Absätzen, Sauna, langem Stehen ohne Bewegung
  • Pflanzliche Venenmittel: Rosskastanie (Aescin, z.B. Venostasin, Aescusan), Rotes Weinlaub (z.B. Antistax), Rutoside, Hesperidin
  • Lokale Mittel: Heparin-Salben, gekühlte Venen-Gels (Heparin AL, Hepathromb)

Invasive Therapie:

  • Sklerosierung (Verödung): Injektion eines Sklerosierungsmittels (Schaum-Sklerosierung). Geeignet für Besenreiser, Seitenäste, retikuläre Varizen.
  • Endovenöse thermische Verfahren: Laser (EVLA) oder Radiowellen (RFA). Minimal-invasive Verschluss der Stammvene durch Hitzeapplikation über Katheter. Ambulant, kurze Rekonvaleszenz.
  • Klassische Stripping-Operation: Operative Entfernung der Stammvene. Mittlerweile durch endovenöse Verfahren weitgehend ersetzt.
  • Phlebektomie: Entfernung der Seitenäste über kleine Stichinzisionen
  • CHIVA-Methode: hämodynamische Strategie zur Korrektur der Klappenfunktion

Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)

Folge langjähriger Krampfadern oder einer Thrombose. Symptome:

  • Hautveränderungen: Ödeme, Hyperpigmentierung (rotbraune Verfärbung), Stauungsekzem
  • Atrophie blanche (weiße Narbenflecken)
  • Dermatoliposklerose (verhärtetes, verdicktes Unterhautgewebe)
  • Ulcus cruris venosum (offenes "Bein" – chronisches venöses Geschwür)

Therapie: konsequente Kompressionstherapie, Bewegung, Wundbehandlung, ggf. operative Sanierung. Ulcus cruris venosum kann durch professionelle Wundbehandlung mit Kompression in den allermeisten Fällen zur Abheilung gebracht werden.

Thrombophlebitis (oberflächliche Venenentzündung)

Entzündung einer oberflächlichen Vene mit Thrombus. Symptome: gerötete, schmerzhafte, druckempfindliche, oft strangartig tastbare Vene. Therapie: Bewegung (keine Bettruhe!), Kompression, lokal Heparin- oder Diclofenac-Gel, ggf. orale Antikoagulation bei größeren oder kniegelenknahen Thrombophlebitiden (Risiko der Ausbreitung).

Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)

Bildung eines Thrombus in den tiefen Beinvenen. Lebensgefährlich wegen Risiko der Lungenembolie!

Risikofaktoren

  • Immobilisation (langes Sitzen auf Flugreisen, Bettlägerigkeit, Gipsverband)
  • Operationen (besonders orthopädische Eingriffe)
  • Malignome
  • Schwangerschaft, Wochenbett
  • Hormonelle Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Angeborene Thrombophilie (Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Mutation, Protein-C/S-Mangel)
  • Vorausgegangene TVT, familiäre Belastung

Symptome

  • Schwellung des Beines (Umfangsdifferenz)
  • Schmerz, vor allem in der Wade ("Wadenschmerz")
  • Spannungs- und Schweregefühl
  • Überwärmung, Rötung, livide Verfärbung
  • Sichtbar erweiterte oberflächliche Venen ("Warnvenen")
  • Schmerz bei Druck auf die Wade (Meyer-Zeichen) oder Fußrückenbeugung (Homans-Zeichen)

Bei Verdacht sofort Arzt!

Diagnose

  • D-Dimer-Test (sensitiv aber unspezifisch – bei negativem D-Dimer TVT unwahrscheinlich)
  • Duplex-Sonographie (Goldstandard)
  • Phlebographie (selten, in unklaren Fällen)
  • CT-Angiographie der Lunge bei Verdacht auf Lungenembolie

Therapie

  • Sofortige Antikoagulation: niedermolekulares Heparin, dann DOAK (Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran) oder Marcumar
  • Therapiedauer: mindestens 3 Monate; bei wiederholten TVTs oder anhaltenden Risikofaktoren länger
  • Kompressionsstrümpfe Klasse II für mindestens 2 Jahre zur Vorbeugung des postthrombotischen Syndroms
  • Bewegung erlaubt und sogar erwünscht (keine Bettruhe!)
  • Bei ausgedehnter TVT: ggf. systemische oder lokale Thrombolyse
  • Bei rezidivierenden TVTs trotz Antikoagulation oder unbehandelbarer Erkrankung: Cava-Filter

Lungenembolie

Verschleppung eines Thrombus aus den Beinvenen in die Lungenarterien. Lebensbedrohlich.

Symptome:

  • Plötzliche Atemnot, oft ohne ersichtlichen Grund
  • Brustschmerz (atemabhängig)
  • Tachykardie (schneller Puls)
  • Bluthusten
  • Schwindel, Synkope (Ohnmacht)
  • Im schwersten Fall: Schock, Herz-Kreislauf-Stillstand

Sofort 112!

Vorbeugung

  • Regelmäßige Bewegung (Spazierengehen, Schwimmen)
  • Auf langen Flugreisen: Beine bewegen, viel trinken, Kompressionsstrümpfe (für Risikopatienten)
  • Nichtrauchen
  • Normalgewicht halten
  • Bei Risikofaktoren und größeren Operationen: prophylaktische Heparingabe
  • Bei Krampfadern und venöser Insuffizienz: Kompressionsstrümpfe konsequent tragen

Unser Angebot in der Apotheke

  • Kompressionsstrümpfe – ärztliche Verordnung, individuelle Vermessung in unserem Geschäft (medizinische Bestrumpfung mit zertifiziertem Personal)
  • Pflanzliche Venenmittel: Rosskastanie, Rotes Weinlaub, Buchweizen, Hamamelis
  • Heparin- und Venensalben/-gele zur lokalen Anwendung
  • Kühl-Gels für müde Beine
  • Stützstrümpfe für Reisen
  • Beratung zur konsequenten Anwendung der Kompressionsstrümpfe (Anziehhilfen!)
  • Beratung zur Beinpflege

Kompressionsstrümpfe

Individuelle Vermessung in unserer Apotheke.

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