Herzkrankheiten


Erkrankungen des Herzens gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Sie umfassen ein breites Spektrum: koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler und entzündliche Herzerkrankungen. Eine konsequente Vorsorge, eine gesunde Lebensweise sowie eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend für eine gute Prognose.

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Die KHK entsteht durch Verkalkung und Verengung der Herzkranzgefäße (Koronararterien). Diese versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen. Bei Verengungen kommt es vor allem bei körperlicher Belastung zu einer Mangeldurchblutung.

Symptome

  • Angina pectoris – Brustenge, oft hinter dem Brustbein, ausstrahlend in linken Arm, Hals, Unterkiefer, Oberbauch
  • Auslöser: körperliche Belastung, Stress, Kälte, große Mahlzeiten
  • Dauer: typisch 2-5 Minuten, in Ruhe oder mit Nitrospray reversibel
  • Atemnot bei Belastung, Müdigkeit
  • Bei Frauen, Diabetikern, Älteren oft atypische Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Schwäche, Schwindel, Oberbauchschmerzen statt typischem Brustschmerz

Risikofaktoren

  • Beeinflussbar: Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, ungesunde Ernährung
  • Nicht beeinflussbar: Alter (Männer ab 45, Frauen ab 55), männliches Geschlecht, familiäre Belastung

Diagnose

  • Ruhe-EKG, Belastungs-EKG (Ergometrie)
  • Laboruntersuchungen: Lipidprofil, Blutzucker, Nierenwerte, Schilddrüse
  • Echokardiographie
  • Stress-Echokardiographie oder Stress-MRT
  • Koronar-CT
  • Herzkatheter (Goldstandard) – Diagnose und Therapie in einem Schritt möglich

Therapie

  • Lebensstil: Nichtrauchen, mediterrane Kost, Gewichtsnormalisierung, regelmäßige Bewegung, Stressreduktion
  • Medikamentös:
    • Plättchenhemmer (ASS, Clopidogrel) – verhindern Thrombosen
    • Statine zur LDL-Senkung (Zielwert < 55 mg/dl bei KHK)
    • Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol) – entlasten das Herz
    • ACE-Hemmer/AT1-Blocker
    • Nitrate akut (Nitrospray bei Angina-Anfall)
    • Ranolazin als Reserveoption
  • Interventionell: Herzkatheter mit Ballondilatation und Stent (PCI)
  • Chirurgisch: Bypass-Operation (CABG) bei Mehrgefäßerkrankung oder Hauptstammstenose

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Akute Komplikation der KHK: ein Herzkranzgefäß wird durch einen Thrombus vollständig verschlossen, der Herzmuskel im Versorgungsgebiet stirbt ab.

Symptome

  • Intensive, anhaltende Brustschmerzen (länger als 15-20 Minuten)
  • Ausstrahlung in linken Arm, Schulter, Hals, Unterkiefer, Oberbauch
  • Vernichtungsangst, Todesangst
  • Schweißausbruch, Blässe
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Atemnot
  • Schwindel, Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislauf-Stillstand

Atypische Symptome bei Frauen: bis zu 30% haben atypische Symptome wie Übelkeit, Erschöpfung, Atemnot, ohne typischen Brustschmerz. Diese werden häufiger fehl- oder spät diagnostiziert.

Sofortmaßnahmen

  1. 112 anrufen (Notruf)
  2. Patient halbsitzend mit erhöhtem Oberkörper lagern
  3. Enge Kleidung öffnen
  4. Beruhigen, Wärme zuführen (Decke)
  5. Bei Bewusstlosigkeit ohne Atmung: sofort Wiederbelebung beginnen (Herzdruckmassage 100-120/Min)
  6. AED (automatischer externer Defibrillator) einsetzen, falls verfügbar
  7. Im Krankenhaus: Eröffnung der verschlossenen Arterie durch Herzkatheter binnen 90 Minuten

Nachbehandlung

  • Doppelte Plättchenhemmung (ASS + Clopidogrel/Ticagrelor/Prasugrel) für 12 Monate
  • Statin in hoher Dosis
  • Betablocker, ACE-Hemmer
  • Kardiologische Reha (3-4 Wochen stationär oder ambulant)
  • Lebensstiländerung, Rauchstopp obligatorisch

Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Das Herz schafft es nicht mehr, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen.

Ursachen

  • KHK und Z.n. Herzinfarkt (häufigste Ursache)
  • Bluthochdruck
  • Herzklappenfehler
  • Herzmuskelentzündung
  • Kardiomyopathie
  • Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
  • Toxisch: Alkohol, Chemotherapie (Anthracycline)

Symptome

  • Atemnot, zunächst nur bei Belastung, später in Ruhe und im Liegen
  • Müdigkeit, Leistungsabfall
  • Beinödeme (Wasseransammlungen)
  • Nächtlicher Husten, Orthopnoe
  • Häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung
  • Schwindel, Bewusstseinsstörungen

Therapie

  • Behandlung der Grundursache
  • Stufenschema: ACE-Hemmer (oder ARNI = Sacubitril/Valsartan), Betablocker, MRA (Spironolacton/Eplerenon), SGLT2-Inhibitoren (Empagliflozin/Dapagliflozin) – "4 Säulen der Herzinsuffizienztherapie"
  • Diuretika zur Entwässerung
  • Bei Vorhofflimmern: Antikoagulation
  • Implantierbarer Defibrillator (ICD) bei hohem Risiko
  • Resynchronisationstherapie (CRT) bei Linksschenkelblock
  • Herztransplantation oder Kunstherz (LVAD) bei terminaler Herzinsuffizienz

Herzrhythmusstörungen

Vorhofflimmern

Häufigste Herzrhythmusstörung. Unregelmäßiger, oft schneller Herzschlag (60-160/Min). Hauptrisiko: Schlaganfall durch Vorhofthromben (5-fach erhöht).

Therapie:

  • Antikoagulation (DOAK wie Apixaban/Rivaroxaban/Edoxaban/Dabigatran, alternativ Marcumar) – bei CHA2DS2-VASc-Score ≥ 1 (Männer) bzw. ≥ 2 (Frauen)
  • Frequenzkontrolle (Betablocker, Verapamil/Diltiazem, ggf. Digitalis)
  • Rhythmuskontrolle (Antiarrhythmika oder Katheterablation)
  • Elektrische Kardioversion zur akuten Rhythmuswiederherstellung

Ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern

Lebensbedrohlich. Häufig bei strukturellen Herzerkrankungen. Therapie: Notfall-Defibrillation, ICD-Implantation zur Sekundärprophylaxe.

Bradykardien und AV-Blöcke

Zu langsamer Herzschlag. Bei symptomatischen Bradykardien (Schwindel, Synkopen, Müdigkeit): Schrittmacher-Implantation.

Herzklappenerkrankungen

  • Aortenklappenstenose: häufigster degenerativer Herzklappenfehler. Symptome: Belastungsschwindel, Synkopen, Angina pectoris, Atemnot. Therapie: chirurgischer Klappenersatz oder TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation, schonend bei älteren Patienten)
  • Mitralklappenstenose/insuffizienz: Therapie: Klappenrekonstruktion, Klappenersatz, MitraClip
  • Trikuspidalinsuffizienz: oft mit Vorhofflimmern oder Linksherzerkrankungen verbunden

Entzündliche Herzerkrankungen

  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung): nach viralen Infekten, sehr unterschiedlicher Verlauf. Wichtig: körperliche Schonung 3-6 Monate
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung): charakteristisch: stechende Brustschmerzen, lageabhängig (besser im Sitzen, schlechter im Liegen). Therapie: NSAR + Colchicin
  • Endokarditis (Herzklappenentzündung): seltene aber gefährliche Infektion, häufig nach bakteriellen Infekten oder bei vorbestehenden Klappenfehlern. Therapie: gezielte Antibiotika über Wochen, ggf. operative Klappensanierung

Vorsorge: das beste Mittel

  • Nichtrauchen oder Rauchstopp (wichtigste Einzelmaßnahme!)
  • Mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Olivenöl, Fisch, Nüssen, wenig rotem Fleisch
  • Regelmäßige Bewegung (mindestens 150 Min Ausdauer pro Woche)
  • Gewichtsnormalisierung (BMI 20-25, Bauchumfang unter 102 cm Männer / 88 cm Frauen)
  • Stressmanagement
  • Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker
  • Mediterrane Lebensweise auch nach Ereignissen weiterführen!

Wir beraten Sie in der Apotheke

In der Rathaus-Apotheke beraten wir Sie:

  • Bei der Einnahme Ihrer Herzmedikamente (Wechselwirkungen, Einnahmezeitpunkt, Nebenwirkungen)
  • Bei Selbstkontrolle (Blutdruck, Puls, Gewicht zur Frühererkennung von Wasseransammlungen)
  • Bei Nahrungsergänzungen (Coenzym Q10 unter Statinen, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D)
  • Mit Blutdruck- und Pulsmessgeräten
  • Bei Reisen (Reiseapotheke, Medikamenten-Pass)
  • Bei Auffälligkeiten: wir empfehlen frühzeitig den Arztbesuch

Notfall: Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 wählen – jede Minute zählt!

Blutdruckmessung

Kostenlose Messung in unserer Apotheke.

02631/7 19 30