Erkrankungen von Bauchgefäßen, Bauchfell und Bauchwand
Im Bauch passiert mehr als nur Verdauung. Die großen Bauchgefäße versorgen die Eingeweide, das Bauchfell (Peritoneum) umschließt sie wie ein dünner Mantel, und die Bauchwand mit ihren Muskeln und Bindegewebe hält das Ganze zusammen. Erkrankungen dieser Strukturen sind seltener Thema, aber teilweise hochdringlich. Wir möchten Ihnen einen Überblick geben, was hier passieren kann und worauf Sie achten sollten.
Bauchaortenaneurysma (BAA)
Eine Erweiterung der Hauptschlagader im Bauchraum, oft Folge von Arteriosklerose, Bluthochdruck und Rauchen. Männer über 65 sind besonders betroffen. Frühe Stadien verlaufen symptomlos, die Diagnose ist meist Zufallsbefund im Ultraschall. Risiko: Ruptur (Reißen), die meist tödlich verläuft. Bei Männern ab 65 ist eine einmalige Vorsorge-Ultraschall-Untersuchung empfohlen.
Therapie nach Größe:
- Unter 5,5 cm: regelmäßige Kontrollen, konservativ (Blutdruck, Rauchstopp, Statin, ggf. ASS)
- 5,5 cm oder mehr (bzw. raschem Wachstum): Indikation zur Operation oder endovaskulärer Versorgung (EVAR mit Stentprothese)
Mesenterialinfarkt
Ein lebensbedrohlicher Verschluss einer Arterie zum Darm, oft Folge eines Vorhofflimmerns oder fortgeschrittener Arteriosklerose. Symptome: plötzlich beginnende, sehr starke Bauchschmerzen, die nicht zu den Befunden bei der Untersuchung passen (schwere Schmerzen bei weichem Bauch), später akutes Abdomen mit Schockzeichen. Diagnose: CT-Angiografie. Therapie: schnelle gefäßchirurgische oder interventionelle Versorgung, ggf. Resektion des betroffenen Darmabschnitts. Frühe Diagnose ist entscheidend für das Überleben.
Chronische mesenteriale Ischämie ("Angina abdominalis")
Verengung der Mesenterialgefäße führt zu Schmerzen nach dem Essen (postprandiales Angina), Gewichtsverlust durch Essensvermeidung und Diarrhoe. Diagnose: CT-Angiografie. Therapie: meist Stent-Implantation oder operative Versorgung.
Pfortaderhochdruck (Portale Hypertension)
Folge einer Leberzirrhose, Pfortaderthrombose oder anderer Engstellen im venösen Abstromgebiet der Leber. Komplikationen: Ösophagusvarizen, Aszites, hepatische Enzephalopathie, Hypersplenismus. Behandelt wird die Grunderkrankung; Komplikationen werden gezielt versorgt (Beta-Blocker, Bandligatur, TIPS bei refraktärem Aszites).
Peritonitis (Bauchfellentzündung)
Eine ernste Erkrankung: das Bauchfell ist entzündet, meist Folge einer Perforation eines Hohlorgans (Magen, Darm, Gallenblase, Appendix) oder einer eitrigen Entzündung. Symptome: starke Bauchschmerzen, Abwehrspannung der Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufstörung. Diagnose: klinisch + CT. Therapie: stationäre Antibiose, Operation zur Ursachenbeseitigung, Spülung des Bauchraums. Notfall.
Aszites
Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, häufig bei Leberzirrhose, Herzinsuffizienz, Krebserkrankungen, Niereninsuffizienz. Symptome: zunehmender Bauchumfang, Spannungsgefühl, Atemnot, Appetitlosigkeit. Diagnose: Ultraschall, Parazentese mit Laboruntersuchung. Therapie nach Ursache: Diuretika (Spironolacton, Furosemid), salzarme Kost, Punktion, ggf. TIPS oder spezifische Behandlung der Grundkrankheit.
Bauchwandbrüche (Hernien)
Leistenbruch (Hernia inguinalis)
Der häufigste Bauchwandbruch, vor allem bei Männern. Symptome: Schwellung in der Leistengegend, oft schmerzhaft bei körperlicher Belastung, manchmal reponibel (zurückschiebbar). Bei Inkarzeration (Einklemmung) wird der Bruch schmerzhaft, hart und drohendaft – sofortige operative Versorgung notwendig. Operation laparoskopisch (TAPP, TEP) oder offen mit Netz.
Schenkelbruch (Hernia femoralis)
Häufiger bei Frauen, höheres Einklemmungsrisiko, immer operative Versorgung.
Nabelbruch (Hernia umbilicalis)
Häufig bei Säuglingen (oft spontan rückläufig bis zum 2. Lebensjahr) und bei Erwachsenen vor allem bei Übergewicht, Schwangerschaft, Aszites. Therapie: meist operativ, vor allem bei Beschwerden oder zunehmender Größe.
Narbenbruch
Nach Bauchoperationen können sich an der Narbe Brüche entwickeln. Risikofaktoren: Übergewicht, Diabetes, Wundheilungsstörungen, schwere körperliche Arbeit zu früh nach OP. Therapie: Operative Versorgung mit Netz, ggf. Komponentenseparation bei großen Narbenbrüchen.
Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
Magen rutscht durch eine erweiterte Speiseröhrenöffnung des Zwerchfells nach oben. Häufig Refluxbeschwerden. Therapie: konservativ (Lebensstil, PPI) oder bei Symptompersistenz operativ mit Hiatoplastik und ggf. Fundoplikatio.
Was die Apotheke leistet
- Beratung zur Nachsorge bei Hernien-Operationen (Bauchgurte, Belastungsverbot, Wundpflege)
- Empfehlung von Bauchstützen und Bandagen bei Risikofaktoren oder bis zur OP
- Begleitung bei oraler Antikoagulation (DOAK, Marcumar) bei BAA oder nach Mesenterialinfarkt
- Aszites: Empfehlung salzarmer Produkte, Begleitung der Diuretika-Therapie, Aufklärung über Trinkmenge
- Wechselwirkungs-Check bei multimedikamentöser Therapie
- Schmerzmedikation nach Operation, vor allem in den ersten Wochen
- Hinweise zur Lebensstilanpassung: Gewichtsreduktion, Rauchstopp, Blutdruckkontrolle – wichtig bei BAA
Wann ärztliche Hilfe holen
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen – immer Notaufnahme
- Schwellung in der Leiste oder Bauchwand mit starken Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen (Einklemmung)
- Aszites mit Atemnot oder Fieber
- Akutes Abdomen mit harter Bauchdecke
- Erbrechen, das nicht endet, mit Aufstoßen oder Stuhlverhalt (Verdacht Darmverschluss)
- Hämodynamische Instabilität (Schwindel, Blässe, Schweißausbruch)
- Familienanamnese mit Bauchaortenaneurysma und keine bisherige Vorsorge
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Diese Erkrankungen wirken vielleicht weit weg vom Alltag, sind aber bei den richtigen Patientinnen und Patienten zentral. Wir begleiten Sie bei Diagnose und Nachsorge, beraten zu Hilfsmitteln und Medikation und helfen Ihnen, die nächsten Schritte einzuordnen. Bei Vorsorge-Themen wie dem Bauchaorten-Screening unterstützen wir Sie mit Hinweisen und Vermittlung an die richtige Praxis.
