Erkrankungen von Mastdarm und Anus
Beschwerden im Bereich von Mastdarm und Anus gehören zu den Themen, über die viele Menschen nicht gerne sprechen. Dabei sind sie häufig und in den meisten Fällen gut behandelbar. Wir möchten Ihnen hier einen sachlichen Überblick geben – ohne Tabuisierung, mit klaren Handlungsempfehlungen und mit dem Hinweis, wann ein ärztlicher Termin wirklich wichtig ist.
Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind keine Krampfadern, sondern ein normales Gefäßpolster am Übergang vom Mastdarm zum Anus. Sie helfen, den Darm dicht zu halten. Erst wenn sie sich krankhaft vergrößern, wird daraus ein Hämorrhoidalleiden. Etwa 70 Prozent der Erwachsenen haben im Laufe ihres Lebens damit zu tun.
Stadien:
- Grad I: vergrößert, nur bei Untersuchung sichtbar, oft nur leichte Blutungen
- Grad II: treten beim Pressen heraus, ziehen sich aber von selbst zurück
- Grad III: müssen manuell zurückgeschoben werden
- Grad IV: bleiben dauerhaft außerhalb des Anus, oft mit Schmerzen, Juckreiz, Schleimabgang
Therapie:
- Basis: ballaststoffreiche Kost (30 g pro Tag), ausreichend Trinken (2 Liter), Bewegung, kein langes Pressen, Toilettengang nicht aufschieben
- Salben und Zäpfchen (z. B. Posterisan, Faktu, Hametum, Doloproct): lindern Juckreiz, Schmerzen und Entzündung
- Kortikoid-haltige Präparate kurzzeitig bei starker Entzündung, nicht länger als 7 bis 10 Tage
- Phlebotonika wie Diosmin können das Bindegewebe stabilisieren
- Sitzbäder mit Eichenrinde oder Kamille bringen Linderung
- Gummibandligatur oder Sklerosierung bei Grad I bis II in der proktologischen Praxis
- Operation (Hämorrhoidopexie nach Longo, Milligan-Morgan, Ferguson) bei Grad III bis IV
Analfissur
Ein kleiner Riss in der Schleimhaut des Analkanals, meist nach hartem Stuhlgang. Sehr schmerzhaft, vor allem während und nach der Stuhlpassage. Oft kommt es zu hellrotem Blut am Toilettenpapier. Akute Fissuren heilen mit folgenden Bausteinen in den meisten Fällen:
- Stuhl weich halten: Macrogol, Flohsamenschalen, ausreichend Trinken
- Lokale Nitroglycerin-Salbe 0,4% (z. B. Rectogesic) zur Entspannung des Schließmuskels
- Calciumkanalblocker-Salbe (Diltiazem, Nifedipin) als Alternative bei Nebenwirkungen der Nitrate
- Lokale Anästhetika in Salbenform für die ersten Tage
- Sitzbäder mit lauwarmem Wasser
Chronische Fissuren mit Hyperplasie sind manchmal nur operativ heilbar (Botox-Injektion, laterale Sphinkterotomie).
Analabszess und Analfistel
Ein Abszess im Analbereich entsteht oft aus einer entzündeten Krypte. Typisch: pulsierende Schmerzen, Schwellung, Fieber. Behandelt wird immer operativ – eine spontane Heilung ist nicht zu erwarten. Aus einem Abszess kann sich eine Fistel entwickeln, die ebenfalls operativ saniert werden muss. Frühe Vorstellung in einer proktologischen oder chirurgischen Praxis ist wichtig.
Marisken
Marisken sind weiche Hautfalten am Analrand, oft Folge früherer Hämorrhoidalleiden. Sie sind harmlos, können aber die Hygiene erschweren. Eine Operation ist nur bei Beschwerden sinnvoll.
Perianalvenenthrombose
Eine schmerzhafte, bläulich verfärbte Schwellung am Analrand, die innerhalb von Minuten entsteht. Oft nach Pressen, Heben oder Geburt. Bei starken Schmerzen und frischem Beschwerdebeginn kann eine Inzision in der proktologischen Praxis Erleichterung bringen. Ältere Thrombosen heilen unter konservativer Therapie (Salben, Schmerzmittel, lokale Kälte) selbstständig ab.
Stuhlinkontinenz
Ungewollter Stuhlabgang ist sehr belastend, kommt aber häufiger vor als gedacht. Ursachen sind Beckenbodenschwäche (vor allem nach Geburten), Schließmuskelverletzungen, Operationen, Diabetes, neurologische Erkrankungen oder chronischer Durchfall. Therapieansätze:
- Beckenboden-Training, ggf. mit Biofeedback
- Stuhlregulierende Maßnahmen, ballaststoffreich
- Loperamid bei Durchfall-Anteilen
- Spezialeinlagen oder Analtampons
- Sakralnervstimulation bei schweren Fällen
- Chirurgische Rekonstruktion bei Sphinkterverletzungen
Rektumkarzinom
Krebs des Mastdarms ist Teil der kolorektalen Karzinome. Warnsymptome sind Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, Bleistiftstühle, Gewichtsverlust. Wichtig: Die Vorsorgekoloskopie ab 50 erfasst auch das Rektum und ist die wirksamste Maßnahme zur Früherkennung. Bei familiärer Belastung früher beginnen. Therapie nach Stadium: Operation (oft sphinktererhaltend), Strahlentherapie, Chemotherapie, ggf. zielgerichtete Verfahren.
Juckreiz am Anus (Pruritus ani)
Häufige Ursachen sind Hautirritation durch zu intensives Reinigen (Feuchttücher, scharfe Seifen), kleine Hämorrhoiden, Marisken, Wurmbefall, Pilze, Ekzeme oder Schwellungen. Therapieansätze:
- Reinigung mit Wasser, ohne Seife, abtupfen statt reiben
- Baumwollwäsche statt synthetischer Stoffe, keine engen Hosen
- Lokale Pflege mit zinkhaltiger oder unparfümierter Salbe
- Kurzfristig Hydrocortison-Creme bei Entzündung
- Antimykotikum bei Pilzbefall (nach Diagnose)
- Wurmkur, falls Madenwürmer nachgewiesen
Was die Apotheke leistet
- Diskretes Gespräch mit Beratung zu Salben, Zäpfchen, Sitzbädern
- Empfehlung der passenden Stadium-orientierten Therapie
- Stuhlweichmacher und Ballaststoffe (Flohsamen, Macrogol)
- Sitzbad-Kissen und Hilfsmittel
- Spezialhygiene-Produkte: pH-neutrale Reinigung, weiche Tücher ohne Alkohol
- Begleitung nach proktologischen Eingriffen
- Aufklärung über Vorsorgekoloskopie und Stuhltests
- Beckenboden-Übungen und Materialien
Wann ärztlich vorstellen
- Blut im Stuhl, das nicht abklingt
- Schmerzen, die länger als 2 bis 3 Tage anhalten
- Tastbare Knoten oder Schwellungen
- Anhaltender oder rezidivierender Juckreiz
- Fieber im Zusammenhang mit Analbeschwerden
- Veränderte Stuhlgewohnheiten über 3 Wochen
- Anämiezeichen unklarer Ursache
- Stuhlinkontinenz, auch leichte Formen
- Familienanamnese mit Darmkrebs
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Auch unangenehme Themen sind bei uns gut aufgehoben. Wir nehmen Sie ernst, fragen behutsam nach und suchen mit Ihnen einen Weg, der zu Ihrer Situation passt. In vielen Fällen helfen wenige einfache Maßnahmen, in anderen ist eine proktologische Praxis die richtige Adresse. Falls Sie zwischen den Terminen Fragen haben, sind wir immer ansprechbar.
