Untersuchungen Magen und Darm
Die Beschwerdebilder im Magen-Darm-Bereich sind vielfältig – und die Untersuchungsmethoden in der Gastroenterologie sind es ebenso. Wer weiß, was ihn erwartet, geht entspannter in den Termin. Wir möchten Ihnen die wichtigsten Verfahren erklären, von Spiegelungen bis Atemtests, und Tipps zur Vorbereitung geben.
Magenspiegelung (Gastroskopie)
Bei der Magenspiegelung wird ein flexibles Endoskop über Mund und Rachen in Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm vorgeschoben. Die Untersuchung dauert etwa 10 bis 15 Minuten und ist heute meist sehr verträglich. Sie wird empfohlen bei Verdacht auf Refluxösophagitis, Ulkus, Helicobacter-Infektion, Magenkrebs, chronischer Übelkeit, unklarer Anämie oder Schluckstörungen.
Vorbereitung:
- Nüchtern: mindestens 6 Stunden nichts essen, 2 Stunden nichts trinken
- Medikamente: morgens mit etwas Wasser einnehmbar nach Absprache mit der gastroenterologischen Praxis
- Blutverdünner (Marcumar, DOAK) ggf. anpassen lassen – bitte rechtzeitig in der Praxis besprechen
- Begleitperson für die Heimreise, falls Sedierung gewünscht
Während des Eingriffs liegen Sie auf der linken Seite. Auf Wunsch erhalten Sie eine leichte Beruhigung (Midazolam, Propofol), die die Untersuchung in der Regel ohne Erinnerung verlaufen lässt. Eine alternative ist die orale Spray-Betäubung des Rachens. Nach der Untersuchung sollten Sie nicht Auto fahren und ausreichend trinken.
Darmspiegelung (Koloskopie)
Die Koloskopie ist der Goldstandard für die Untersuchung des gesamten Dickdarms und des unteren Dünndarmabschnitts. Sie wird zur Krebsvorsorge ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen) empfohlen, zudem bei Blut im Stuhl, anhaltenden Verdauungsbeschwerden, Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Anämie unklarer Ursache, familiärer Vorbelastung.
Die Vorbereitung ist der aufwändigste Teil:
- Drei bis vier Tage vorher: keine Körnerprodukte (Müsli, Vollkornbrot mit Körnern), Hülsenfrüchte oder rotes Fleisch
- Am Vortag: leichte Kost, mittags klare Brühe, abends Apfelsaft
- Am Vortag abends und am Untersuchungstag morgens: Trinklösung (Moviprep, Plenvu, Pico-Salax oder Eziclen) nach Anleitung – sie spült den Darm in mehreren Stunden
- Ab abends nüchtern, am Untersuchungstag bis 2 Stunden vor dem Termin klare Flüssigkeit erlaubt
- Medikamente: gerinnungshemmende Mittel müssen vorher abgesprochen werden, ASS in niedriger Dosis kann meist weiterlaufen
Während der Koloskopie können Polypen gleich entfernt werden – das ist die effektivste Krebsvorsorge. Die Untersuchung dauert etwa 20 bis 30 Minuten, Sedierung ist Standard. Nach der Untersuchung sollten Sie ausreichend trinken, langsam essen und sich ausruhen.
Sigmoidoskopie
Die Sigmoidoskopie spiegelt nur den letzten Abschnitt des Dickdarms (Mastdarm und S-Darm). Sie wird seltener eingesetzt, etwa bei sehr lokalisierten Beschwerden oder zur Kontrolle nach einer bekannten Diagnose. Vorbereitung mit Klistier am Untersuchungstag, in der Regel ohne Sedierung.
Atemtests
- Helicobacter-pylori-Atemtest: nicht-invasiv, mit Harnstoff-13C-Lösung. Vor dem Test mindestens 4 Wochen keine PPI, 2 Wochen keine Antibiotika
- Laktose-H2-Atemtest bei Verdacht auf Laktoseintoleranz: 50 g Laktose, dann Atemmessungen alle 30 Minuten über 3 Stunden
- Fruktose-H2-Atemtest für Fruktoseintoleranz
- Sorbitol-H2-Atemtest für Sorbitintoleranz
- Glukose- oder Laktulose-Atemtest bei Verdacht auf bakterielle Fehlbesiedlung (SIBO) des Dünndarms
Atemtests sind schmerzfrei, dauern jedoch mehrere Stunden – nehmen Sie sich Lesestoff oder ein Notebook mit. Vor allen Atemtests einige Tage diätetisch vorbereiten und keine Antibiotika in den Wochen davor einnehmen.
Stuhltests
- iFOBT (immunologischer Stuhltest): Sucht okkultes Blut, sinnvolle Vorsorge zwischen Koloskopien
- Calprotectin im Stuhl: Differenzierung zwischen funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen
- Pankreaselastase: Hinweis auf Bauchspeicheldrüseninsuffizienz
- H. pylori-Antigen im Stuhl: nicht-invasive Alternative zum Atemtest
- Stuhlkulturen: bei Verdacht auf Infektionen, vor allem nach Reisen
- Mikrobiom-Analysen: noch keine Routine, aber zunehmend verfügbar
Bildgebung
- Bauchultraschall: erste, nicht-invasive Methode für Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Milz, Nieren, Aorta
- MRT: gute Darstellung von Weichteilen, Gallenwegen (MRCP), Dünndarm (MR-Sellink)
- CT: bei akuten Bauchbeschwerden, Verdacht auf Divertikulitis, Tumoren, Komplikationen
- Endosonografie: ein Endoskop mit Ultraschallkopf, gut für Pankreas und Wandstrukturen
- Doppelballon-Enteroskopie: spezielle Spiegelung des Dünndarms, bei spezifischen Fragestellungen
- Kapsel-Endoskopie: eine Mini-Kamera, die geschluckt und ausgeschieden wird, bei Verdacht auf Dünndarm-Erkrankungen
Funktionsmessungen
- Ösophagusmanometrie: Druckmessung in der Speiseröhre bei Schluckbeschwerden
- 24-Stunden-pH-Metrie: zur objektiven Bewertung des Refluxes
- Anorektale Manometrie: bei Inkontinenz oder Verstopfung mit Verdacht auf Beckenboden-Funktionsstörung
- Ballonexpulsionstest: einfacher Test zur Stuhlentleerungsfunktion
Vor der Untersuchung: Was Sie tun können
- Aktuelle Medikamentenliste mitbringen, inklusive Nahrungsergänzungsmittel
- Allergien klar nennen (Latex, Medikamente, Pflaster)
- Vorbefunde, Arztbriefe, Bildgebung mitbringen
- Bei Nervosität: Ansprechen, dass es Ihre erste Untersuchung ist – oft wird dann mehr Zeit zur Beruhigung eingeplant
- Vorbereitung exakt einhalten – ein zu wenig vorbereiteter Darm bedeutet möglicherweise eine wiederholte Untersuchung
- Begleitperson für die Heimfahrt organisieren, wenn Sedierung verwendet wird
Was die Apotheke leistet
- Beratung zur Anwendung der Darmspüllösungen (Geschmack, Verdünnung, Trinkrhythmus)
- Hinweise zur Pause oder Anpassung von Dauermedikation vor der Untersuchung
- Helicobacter-Atemtest und iFOBT-Stuhltest zur Heimanwendung
- Tipps zur Anwendung von Glycerin-Zäpfchen oder Mikroklistiren bei Vorbereitung
- Wechselwirkungs-Check zwischen Vorbereitung und Dauermedikation
- Hilfsmittel für die Tage nach der Untersuchung (Ballaststoffe, Probiotika)
- Hinweise zur Wiederholung der Vorsorge alle 10 Jahre, früher bei Polypenbefund
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Eine bevorstehende Magen- oder Darmuntersuchung wirft viele Fragen auf. Wir nehmen uns Zeit, mit Ihnen die Vorbereitung Schritt für Schritt durchzugehen, Ängste zu nehmen und auch nach der Untersuchung bei der Nachsorge da zu sein. Bringen Sie gerne den Vorbereitungsbogen Ihrer gastroenterologischen Praxis mit – wir gehen ihn gemeinsam durch.
