Sehhilfen


Wer schlecht sieht, hat heute viele Möglichkeiten, die Sehkraft zu unterstützen und im Alltag wieder voll teilzuhaben. Das Spektrum reicht von der klassischen Brille über moderne Kontaktlinsen bis zu Lupen und elektronischen Sehhilfen für Menschen mit Makuladegeneration. Wir möchten Ihnen die wichtigsten Hilfsmittel vorstellen und Ihnen einen Eindruck geben, wann welches Werkzeug die passende Wahl ist.

Brillen

Die Brille ist die häufigste Sehhilfe. Die Wahl der richtigen Gläser hängt vom Refraktionsfehler ab.

  • Einstärkengläser: nur für eine Sehentfernung, in der Regel Ferne oder Nähe
  • Bifokalgläser: zwei Sehbereiche mit sichtbarer Trennlinie
  • Gleitsichtgläser: stufenloser Übergang von Ferne zu Nähe, Standard bei Presbyopie
  • Arbeitsplatzbrillen: für Computer- und Schreibtischarbeit, mit optimierter Zwischenzone
  • Sportbrillen: bruchsicher, gerade für Outdoor-Sport, Lauf- und Radsport
  • Sonnenbrillen mit Korrektion: UV-Schutz mit Sehstärke
  • Selbsttönende Gläser: passen sich an Lichtverhältnisse an
  • Entspiegelung, Anti-Reflex, Lotuseffekt, Kratzschutz: Veredelungen für mehr Komfort und Lebensdauer

Materialien

  • Mineralisches Glas: kratzfest, schwerer, weniger bruchsicher
  • Kunststoff (CR-39, Trivex, Polycarbonat): leichter, bruchsicher, oft erste Wahl
  • Hochbrechende Kunststoffe (1,6; 1,67; 1,74) für dünnere Gläser bei hohen Sehstärken

Kontaktlinsen

  • Weiche Linsen: aus Hydrogel oder Silikonhydrogel, Tageslinsen, 14-Tages, Monatslinsen
  • Formstabile Linsen: bessere Sehqualität, gerade bei hohem Astigmatismus oder Keratokonus
  • Multifokale Linsen: für Presbyopie
  • Torische Linsen: bei Astigmatismus
  • Ortho-K-Linsen: nächtliche Linsen, die die Hornhaut sanft umformen, vor allem bei progredient kurzsichtigen Kindern

Wichtig: Hygiene und Pflege sind entscheidend, um Infektionen vorzubeugen. Tageslinsen sind die hygienischste Option und werden besonders bei trockenen Augen empfohlen. Bei Reizung oder Schmerz Linse herausnehmen und augenärztlich abklären lassen.

Lupen

Lupen sind die einfachste Sehhilfe für Nähe-Sehen-Probleme bei Senioren und Menschen mit leichter Makuladegeneration.

  • Handlupen: 1,5- bis 3-fach Vergrößerung, kompakt, ideal für unterwegs
  • Standlupen: lassen sich aufstellen, Hände bleiben frei
  • Leuchtlupen: integrierte LED-Beleuchtung, deutlich kontrastreicher
  • Brillenlupen: aufgesteckt oder integriert in die normale Brille
  • Standmikroskope für Hobby/Bastelarbeit: gut bei feinmotorischen Tätigkeiten

Elektronische Sehhilfen

Für Menschen mit fortgeschrittener Makuladegeneration oder anderen Netzhauterkrankungen sind elektronische Sehhilfen die wichtigste Option:

  • Bildschirmlesegeräte: mit einer Kamera werden Texte oder Gegenstände auf einen großen Bildschirm projiziert, vergrößert bis 50-fach, mit Kontrastoptimierung
  • Mobile Vergrößerungssysteme: tragbare Geräte mit Kamera und Bildschirm, vor allem für unterwegs
  • Bildschirmlupe: kleine, mobile Geräte für Etiketten und Preisschilder
  • OCR-Vorlesegeräte: lesen Texte automatisch laut vor
  • Smartphone-Apps mit Kamera-Vergrößerung, Hochkontrast-Anzeige, Vorlese-Funktion

Sehhilfen für Kinder

Bei Kindern ist die Brille die wichtigste Sehhilfe. Die Wahl des passenden Brillengestells ist entscheidend: leicht, robust, gut sitzend, kindgerecht. Bei zunehmender Myopie unterstützen heute neue Brillengläser (Stellest, MiYOSMART) und Atropin 0,01% das langsamer-werden der Achsenlängenzunahme. Kontaktlinsen werden frühestens ab dem 8.–10. Lebensjahr eingesetzt, oft nach individueller Indikation.

Spezial-Sehhilfen für den Beruf

  • Arbeitsplatz-Lupenbrillen für Feinmechanik, Uhrmacher, Goldschmiede
  • Drei-Bereich-Bildschirmbrillen für Computerarbeit
  • Spezialfilter für lichtempfindliche Berufe
  • Schutzbrillen mit Korrektur für Industrie, Labor, Bau

Was die Apotheke leistet

  • Erstberatung zu einfachen Lupen und Lesehilfen
  • Hilfe bei Lesebrillen-Fertigware (Fertiglesebrillen für unterwegs als Ergänzung)
  • Pflegemittel für Kontaktlinsen, alle gängigen Systeme
  • Kontaktlinsen-Aufbewahrungsbehälter, Saugnäpfe, Putztücher
  • Reinigungssprays für Brillengläser
  • Reisesets für Brillen und Kontaktlinsen
  • Lese-LED-Lampen für besseres Sehen daheim
  • Tipps zum Verhalten am Arbeitsplatz (20-20-20-Regel)
  • Vermittlung zum augenärztlichen Kollegen und zum Augenoptiker bei komplexeren Anliegen
  • Information zu Hilfsmittelverordnung und Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei stark eingeschränktem Sehen

Hilfsmittelversorgung bei stark eingeschränktem Sehen

Bei Visus deutlich unter 0,3 ist eine umfassende Versorgung mit Sehhilfen möglich. Die Krankenkasse übernimmt nach Verordnung durch den Augenarzt die Kosten für Lupen, elektronische Lesegeräte oder Spezial-Sehhilfen. Die Sehbehindertenberatung in den Augenkliniken und Beratungsstellen für Blinde unterstützt bei der Auswahl.

Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied

Wir sind keine Augenoptiker, aber Ihre Anlaufstelle für die ersten Schritte und für viele Pflege-Aspekte rund um die Augen. Wir besprechen mit Ihnen, welche Sehhilfe für Ihre konkrete Situation passt, geben Tipps zur Pflege Ihrer Brille oder Kontaktlinsen und vermitteln Sie an die richtige Stelle, wenn ein anderes Fachhandwerk gefragt ist. Falls Sie ein Hörgerät, einen Rollator oder andere Hilfsmittel benötigen, kombinieren wir die Beratung gerne – bei vielen Senioren überschneiden sich die Themen.