Diagnoseverfahren in der Augenheilkunde
Die Augenheilkunde verfügt über ein breites diagnostisches Arsenal – vom einfachen Sehtest bis zur hochauflösenden Schnittbildgebung der Netzhaut. Welche Untersuchung wozu gut ist und was Sie erwarten können, möchten wir Ihnen in dieser Übersicht erklären.
Sehschärfeprüfung (Visus)
Die Grundlage jeder augenärztlichen Untersuchung. Ferne und Nähe werden mit standardisierten Tafeln gemessen. Der Visus ist der wichtigste objektive Wert. Auch der Kontrast- und Farbsehtest können durchgeführt werden, vor allem bei beruflichen Fragestellungen (LKW-, Bus-, Pilotensehen).
Refraktionsbestimmung
Die objektive Refraktion misst die optischen Eigenschaften des Auges mit einem Autorefraktometer. Die subjektive Refraktion verfeinert das Ergebnis mit Hilfe von Probiergläsern. Bei Kindern unter 6 oder bei akkomodativem Anteil wird oft cycloplegisch (mit pupillenerweiternden Tropfen) refraktioniert, um den genauen Brillenwert zu ermitteln.
Spaltlampenuntersuchung
Mit der Spaltlampe wird der vordere Augenabschnitt unter hoher Vergrößerung untersucht: Lider, Tränenfilm, Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer, Iris, Linse. Wichtig zur Diagnose von Entzündungen, Verletzungen, Linsen-Trübungen.
Augeninnendruckmessung (Tonometrie)
- Applanationstonometrie nach Goldmann: Goldstandard, mit lokaler Betäubung
- Non-Contact-Tonometrie: berührungsloser Luftstoß, vor allem im Screening
- Rebound-Tonometrie: kleine Sonde berührt kurz die Hornhaut, ohne Betäubung möglich
- iCare HOME: tragbare Eigenmessung in Patientenstudien zunehmend genutzt
Der Augeninnendruck wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen. Normwerte 10 bis 21 mmHg, individuell schwankend.
Pachymetrie
Messung der Hornhautdicke, wichtig zur Interpretation des Augeninnendrucks und vor refraktiver Chirurgie. Eine dünne Hornhaut verfälscht den gemessenen Druck nach unten, eine dicke nach oben.
Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)
Bei der computergestützten Perimetrie sitzen Sie vor einer Halbkugel und drücken einen Knopf, wenn Sie Lichtpunkte sehen. Das Ergebnis zeigt das räumlich wahrgenommene Sehfeld. Wichtig bei Glaukom, neurologischen Erkrankungen (Hirntumoren, Schlaganfall), Netzhauterkrankungen, Beurteilung der Fahrtauglichkeit.
Funduskopie (Augenhintergrund)
- Direkte Ophthalmoskopie: mit einem Handgerät, einfach im Hausarzt-Setting
- Indirekte Ophthalmoskopie: mit Kopflicht und Lupe, beidseitiger Eindruck, in der augenärztlichen Praxis Standard
- Funduskamera: digitale Aufnahmen für Verlaufsdokumentation
- Weitwinkel-Funduskamera (Optos): erfasst bis zu 200 Grad der Netzhaut in einem Bild, sehr wertvoll bei Diabetes-Vorsorge
Zur besseren Übersicht erfolgt oft eine Pupillenerweiterung mit Tropfen. Anschließend sehen Sie für einige Stunden verschwommen und sind lichtempfindlich – bitte nicht selbst Auto fahren.
Optische Kohärenztomografie (OCT)
Eine berührungslose Schnittbildgebung der Netzhaut mit Mikrometer-Auflösung. Sie zeigt die Schichten der Macula und des Sehnervs. Sehr wichtig bei:
- Altersbedingter Makuladegeneration (Verlaufskontrolle, Beurteilung Anti-VEGF-Wirkung)
- Diabetischem Makulaödem
- Glaukom (Nervenfaserschicht-Analyse)
- Verzogensehen unklarer Ursache
- Erkrankungen der Aderhaut und Netzhaut
Die Untersuchung dauert wenige Minuten, ist schmerzlos und ohne Strahlung.
OCT-Angiografie
Eine spezielle Variante des OCT, die Gefäße der Netzhaut sichtbar macht, ohne Kontrastmittel zu spritzen. Sehr wertvoll bei feuchter Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie zur Beurteilung der Mikrozirkulation.
Fluoreszenzangiografie (FAG)
Bei der FAG wird ein Farbstoff (Fluorescein) intravenös gespritzt. Spezialkameras dokumentieren dann die Durchblutung der Netzhautgefäße. Wichtig bei Makuladegeneration mit Gefäßneubildung, Verschluss von Netzhautvenen, Diabetes-Retinopathie. Selten allergische Reaktionen auf den Farbstoff, daher Aufklärung im Vorfeld.
Indocyaningrün-Angiografie (ICG)
Ergänzendes Verfahren zur FAG mit einem Farbstoff für Aderhautgefäße. Wertvoll bei Aderhaut-Tumoren, polypoidaler Choroidopathie, zentraler seröser Chorioretinopathie.
Hornhauttopografie
Vermessung der Hornhautoberfläche zur Erkennung von Keratokonus, Astigmatismus, vor refraktiver Chirurgie. Auch wichtig bei der Anpassung formstabiler Kontaktlinsen.
Schirmer-Test und Tränenfilmuntersuchung
Beim Schirmer-Test wird ein Papierstreifen unter das Lid gelegt und nach 5 Minuten die Befeuchtungsstrecke gemessen. Ergänzend werden Tränenfilm-Aufrisszeit, Lipid-Layer-Dicke und Meibom-Drüsen-Status mit Meibografie bewertet. Wichtig bei trockenem Auge.
Orthoptische Untersuchung
Die Orthoptistin prüft Augenstellung, Augenbewegungen, beidäugiges Sehen, Stereosehen, Schiel-Winkel. Sehr wichtig bei Kindern mit Verdacht auf Schielen und Amblyopie, aber auch bei Erwachsenen mit neu aufgetretenen Doppelbildern.
Sonografie des Auges
Ultraschall-Untersuchung des Augapfels, vor allem wenn der Augenhintergrund nicht einsehbar ist (Glaskörperblutung, dichte Linsentrübung). A-Scan misst die Achsenlänge, B-Scan zeigt Schnittbilder.
Elektrophysiologie
- Elektroretinogramm (ERG): misst die elektrische Aktivität der Netzhaut bei Lichtreizen
- Visuell evoziertes Potenzial (VEP): misst die Antwort des visuellen Kortex auf Lichtreize, wichtig bei Sehnervenerkrankungen
- Elektrookulogramm (EOG): zur Untersuchung des retinalen Pigmentepithels
Spezielle Untersuchungen für Brille und Kontaktlinsen
- Skiaskopie (Schattenprobe) bei Kindern
- Akkommodationstest bei Beschwerden mit der Nahbrille
- Beidäugiges Sehen / Augenstellung
- Hornhautbiomikroskopie für Kontaktlinsenanpassung
- Tränenfilmmessung vor Kontaktlinsenanpassung
Vor der Untersuchung: Tipps
- Brille und ggf. Kontaktlinsen-Set sowie aktuelle Brillenverordnung mitbringen
- Liste der aktuellen Medikamente, vor allem Augentropfen
- Vorbefunde, OCT- und Fundusbilder, OP-Berichte
- Falls Pupillenerweiterung geplant: Begleitperson für die Heimfahrt, nicht Auto fahren
- Bei Klaustrophobie: rechtzeitig ansprechen, OCT und Perimetrie sind eng, aber kurz
- Augenmake-up vorher entfernen
Was die Apotheke leistet
- Beratung zu pupillenerweiternden Tropfen (Anwendung, Nachwirkungen)
- Sonnenbrillen oder Notfall-UV-Schutz nach Pupillenerweiterung
- Augentropfen-Anwendungs-Schulung (Kopfneigung, Tropf-Manöver)
- Augenbenetzende Tropfen vor und nach der Untersuchung
- Pflege für Kontaktlinsen, die vor der Untersuchung ausgesetzt werden müssen
- Wechselwirkungs-Check zwischen Augenmedikation und Dauertherapie
- Hinweise zur Glaukomvorsorge ab 40, zur Diabetes-Vorsorge jährlich
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Auch wenn die Untersuchung selbst in der augenärztlichen Praxis stattfindet – bei uns sind Sie für Vor- und Nachsorge gut aufgehoben. Wir erklären Ihnen den Untersuchungsbogen, die Tropfen, die Begleitmedikation und stehen bei Fragen zwischen den Terminen zur Verfügung. Bringen Sie gerne Ihre aktuellen Befunde mit, wir gehen sie gemeinsam durch.
