Sexuell übertragbare Erkrankungen (STI)
Sexuell übertragbare Erkrankungen kommen häufiger vor, als viele annehmen. Sie betreffen Menschen jedes Alters, jeder Orientierung und jedes Gesellschaftsschichts. Wir möchten Ihnen einen sachlichen Überblick geben – mit dem Ziel, Stigmata zu reduzieren und Sie bei Fragen, Symptomen oder Vorsorge angemessen begleiten zu können.
Häufige STI im Überblick
Chlamydien (Chlamydia trachomatis)
Die häufigste bakterielle STI weltweit. Oft symptomlos. Bei Frauen kann sie zu Eileiterentzündung und Unfruchtbarkeit führen, bei Männern Urethritis und Epididymitis. Diagnose: PCR aus Urin oder Abstrich. Therapie: Azithromycin oder Doxycyclin. Wichtig: auch Partner mitbehandeln.
Gonorrhö (Tripper)
Bakteriell (Neisseria gonorrhoeae), oft mit eitrigem Ausfluss. Diagnose: PCR oder Kultur. Therapie: Ceftriaxon intramuskulär + Azithromycin oral. Resistenzentwicklung ist ein zunehmendes Problem. Auch Pharynx und Rektum können infiziert sein.
Syphilis (Lues)
Bakteriell (Treponema pallidum), drei Stadien: Primärstadium (schmerzlose Schanker-Stelle), Sekundärstadium (Hautausschlag, Allgemeinsymptome), Tertiärstadium (Spätfolgen nach Jahren mit Nervensystem-, Gefäß- und Organbeteiligung). Diagnose: Serologie. Therapie: Penicillin G in unterschiedlichen Schemata je nach Stadium.
HPV (Humane Papillomviren)
Sehr verbreitete virale Infektion, oft symptomlos. Niedrigrisiko-Typen verursachen Genitalwarzen, Hochrisiko-Typen können zu Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Mund-Rachen-Karzinomen führen. Schutz durch HPV-Impfung (Mädchen und Jungen ab 9 Jahren empfohlen). Genitalwarzen: lokale Therapie (Imiquimod, Podophyllotoxin, Kryotherapie, Laser).
Herpes genitalis (HSV-1 und HSV-2)
Virale Infektion, schmerzhafte Bläschen und Geschwüre im Genitalbereich, oft Wiederauftreten. Diagnose: klinisch oder PCR. Therapie: Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir – im Akutschub und ggf. als Dauerprophylaxe.
HIV/AIDS
Retrovirale Infektion, die ohne Therapie zur Immunschwäche AIDS führt. Heute mit lebenslanger antiretroviraler Therapie (ART) gut behandelbar – bei kontinuierlicher Therapie und nicht nachweisbarer Viruslast ist HIV nicht übertragbar (U=U / N=N). Diagnose: Screening-Test (Antikörper + p24-Antigen), bei Reaktivität Bestätigung durch Immunoblot und Viruslastmessung. Vorsorge: Kondom, PrEP (Präexpositionsprophylaxe mit Tenofovir/Emtricitabin), PEP (Postexpositionsprophylaxe nach Risiko-Kontakt).
Hepatitis B und C
Können sexuell übertragen werden. Hepatitis B: Impfung verfügbar, bei chronischer Form antivirale Therapie. Hepatitis C: heute in 8 bis 12 Wochen mit direkt antiviralen Mitteln (DAA) zu über 90 Prozent heilbar.
Trichomoniasis
Protozoeninfektion mit gelblich-grünem Ausfluss bei der Frau, oft symptomlos beim Mann. Diagnose: PCR oder Direktmikroskopie. Therapie: Metronidazol einmalig oder über 7 Tage. Partner mitbehandeln.
Mycoplasma genitalium
Zunehmend erkannte STI mit Urethritis-Symptomen. Diagnose: PCR. Therapie: Azithromycin oder Moxifloxacin, oft mit Resistenztest.
Pubic louse (Schamläuse, "Filzläuse")
Parasitäre Infestation. Therapie: Permethrin- oder Pyrethrum-Shampoo lokal.
Scabies (Krätze)
Hochansteckende parasitäre Erkrankung, auch sexuell übertragbar. Therapie: Permethrin-Creme lokal, ggf. orale Ivermectin-Therapie.
Wann an STI denken
- Brennen beim Wasserlassen
- Ausfluss aus Penis, Vagina oder Anus
- Schmerzen oder Wunden im Genital-, Mund- oder Analbereich
- Knötchen, Bläschen, Warzen
- Unklarer Hautausschlag
- Zwischenblutungen oder Schmerzen beim Sex
- Schwellungen der Lymphknoten in der Leiste
- Fieber, Müdigkeit, Gelenkschmerzen ohne andere Erklärung
- Nach einem ungeschützten Risiko-Kontakt – auch ohne Symptome
- Beim Schwanger-werden-Wunsch / in der Schwangerschaft (Screening)
- Bei Beginn einer neuen Partnerschaft, sinnvoll als Routine-Check für beide
Diagnostik
STI-Diagnostik erfolgt heute überwiegend mit PCR aus Urin oder Abstrich (schmerzfrei, sehr genau). Serologische Tests bei Syphilis, HIV, Hepatitis. Verfügbare Anlaufstellen: hausärztliche Praxis, urologische und gynäkologische Praxis, Gesundheitsamt (oft anonym und kostenlos), spezialisierte Beratungsstellen, manche Apotheken bieten Heimtests an.
Prävention
- Kondome: nach wie vor wichtigster Schutz vor STI – bei vaginalem, analem und oralem Sex
- HPV-Impfung: ab 9 Jahren bei Jungen und Mädchen, am wirksamsten vor dem ersten Sex
- Hepatitis-B-Impfung: Standard im Kindesalter, Nachholimpfung bei Erwachsenen mit Risiko
- PrEP: Tenofovir/Emtricitabin täglich oder ereignisbezogen für Menschen mit hohem HIV-Risiko
- PEP: Notfallprophylaxe nach Risikokontakt, innerhalb 48 (max. 72) Stunden
- Doxycycline-PEP (Doxy-PEP): 200 mg Doxycyclin innerhalb 72 Stunden nach Sex zur Reduktion bakterieller STI bei Risikogruppen
- Regelmäßige STI-Tests: in regelmäßigen Abständen empfehlenswert für sexuell aktive Menschen mit wechselnden Partnern
- Offene Kommunikation mit Partnern und Partnerinnen
Was die Apotheke leistet
- Diskrete Beratung zu Schutzmaßnahmen, Kondomen, Gleitmitteln
- HPV-Impfung (Erinnerung an Kassenleistung)
- Hepatitis-B-Impfung
- HIV-Schnelltest (CE-zertifizierter Heimtest)
- Chlamydien-Heimtest mit Versand zum Labor
- PrEP-Beratung und Versorgung
- Notfallpaket bei Risikokontakt (Hotline zur PEP-Versorgung in der Region)
- Pille danach – ohne Rezept, mit Beratungsgespräch
- Vermittlung an Beratungsstellen (Aidshilfe, Gesundheitsamt, anonyme Aids-Beratung)
- Salben und Tropfen für Herpes genitalis
Wann sofort ärztlich abklären
- Akute genitale Schmerzen oder Wunden
- Hohes Fieber mit unklarer Ursache nach Risiko-Kontakt
- Risiko-Kontakt vor weniger als 72 Stunden – PEP-Frage
- Schwangerschaft mit STI-Verdacht
- Wiederauftreten von Herpes oder Genitalwarzen
- Auffällige Laborbefunde im STI-Screening
Beratung in der Rathaus-Apotheke Neuwied
Diskretion ist für uns selbstverständlich. Wir geben Ihnen sachliche Informationen ohne moralisches Beurteilen, helfen mit konkreten Tests und Schutzmaßnahmen und vermitteln Sie an die richtige Stelle, wenn ein Test oder eine Behandlung notwendig wird. Wir glauben fest daran: STI-Diagnostik und -Behandlung sind ein Teil ganz normaler Gesundheitsversorgung – je früher, desto besser für alle Beteiligten.
